Natürlicher Zeckenschutz beim Hund: Was hilft wirklich?

Du möchtest deinen Hund natürlich vor Zecken schützen, ohne direkt zu Spot-on, Tablette oder Halsband zu greifen? In diesem Artikel bekommst du einen Überblick über Kokosöl, Bierhefe/B-Vitamine, Zistrose, Geraniol & Co., inklusive Grenzen, Sicherheit und Praxis-Tipps.

Wenn du gerade eine Zecke gefunden hast, starte hier:
Zecke beim Hund entfernen: Zange, Haken, Karte im Vergleich
Zecke entsorgen: So tötest du sie wirklich

Wenn du das Thema insgesamt einordnen willst: Zecken beim Hund: Überblick

Natürlicher Zeckenschutz beim Hund

Einheitliches Erfolgsrezept? Fehlanzeige! Sicher hast du auch schon festgestellt, dass es Hunde gibt, die Zecken geradezu magnetisch anziehen, und andere, die weniger oder kaum anfällig sind. Das liegt daran, dass Zecken auf Ammoniak, Kohlendioxid, Buttersäure und Milchsäure reagieren und diese Stoffe von unseren Vierbeinern in unterschiedlichen Mengen abgegeben werden.

Das kannst du nutzen und mithilfe einer natürlichen und gesunden Ernährung den Eigengeruch deines Hundes minimieren und ihn somit für Zecken weniger attraktiv machen. Kokosöl, Schwarzkümmelöl oder spezielle Kräuterpräparate verändern oder überdecken den Eigengeruch und wirken abstoßend für die Zecke.

Chemie war gestern! Es gibt sanfte und gleichzeitig wirkungsvolle Möglichkeiten, Zecken auf Abstand zu halten. Von natürlichen Duftstoffen über bewährte Hausmittel bis hin zu kleinen Tricks im Alltag: Hier erfährst du, wie ihr den Sommer frei und unbeschwert genießen könnt.

Da chemische Mittel gegen Zecken Nebenwirkungen haben können und Rückstände hinterlassen, interessieren sich immer mehr Tierhalter für natürliche Alternativen. Man unterscheidet dabei zwischen Mitteln, die man dem Hund geben kann (innerlich) und solchen, die auf die Haut aufgetragen werden (äußerlich).

Innerlich können zum Beispiel B-Vitamine, Bierhefe, Knoblauch oder Zistrose helfen. Sowohl innerlich als auch äußerlich werden Kokos– oder Schwarzkümmelöl verwendet. Äußerlich gibt es außerdem physikalische Methoden wie Bernsteinketten, spezielle Anhänger, Babypuder, Kieselgur oder Präparate aus natürlichem Pyrethrum und ätherischen Ölen.

Manche Menschen setzen zusätzlich auf ganzheitliche Ansätze wie Zecken-Nosoden oder Bioresonanztherapie. Diese individuellen Unterschiede solltest du bei der Zeckenprophylaxe deines Vierbeiners beachten. Von Kokosöl, Schwarzkümmelöl, gemixter Apfelessig, Neemöl, EM-Ketten bis Bernsteinketten. Bei dem einen hilft es, bei dem anderen ändert es in Sachen Zecken nix. Welches Mittel am besten geeignet ist, hängt vom deinem Hund und seinem Umfeld ab.

B-Vitamine als Zeckenschutz

Durch die tägliche Vitamin-B-Zufuhr verändert sich der Eigengeruch der Haut, dadurch wird dein Hund weniger attraktiv für Zecken (repellierender Effekt). B-Vitamine kannst du in Form von Bierhefe, -tabletten, -flocken, Formel Z-Tabletten (Fa. Biokanol) verabreichen. Da B-Vitamine wasserlöslich sind, scheidet dein Hund den überschüssigen Bedarf mit dem Urin wieder aus.

Bierhefen (Saccharomyces cerevisiae) sind einzellige Pilze für die Bierherstellung. Sie sind fettarm, proteinreich und enthalten B-Vitamine, Folsäure, essentielle Aminosäuren, Spurenelemente und Mineralstoffe. Die Gabe sollte langsam und einschleichend erfolgen, um Verdauungsstörungen zu vermeiden. Haut und Fell profitieren von einer Zufütterung der Hefe, sie hat aber auch ein hohes Allergiepotential und sollte Hunden mit Epilepsie nicht gegeben werden.

In der Hochsaison gibst du deinem Hund täglich 1g Bierhefe oder 1 Formel Z-Tablette pro 10 kg Körpergewicht. Die Wirksamkeit von B-Vitaminen ist wissenschaftlich nicht geklärt. Viele Tierhalter berichten von positiven Erfahrungen. Für Formel Z-Tabletten konnten in einer 2019 veröffentlichten Studie Effekte gegen Zecken nachgewiesen werden.

Knoblauch (Allium sativa)

Knoblauch wird im Zusammenhang mit natürlichem Zeckenschutz immer wieder genannt, weil er den Körpergeruch des Hundes verändern soll. Ich sehe Knoblauch nicht grundsätzlich als „verboten“, aber als ein Mittel, das nicht pauschal und nicht ohne Blick auf Gewicht, Gesundheitszustand und Gesamtration eingesetzt werden sollte. Besonders bei kleinen Hunden, empfindlichen Tieren oder bestehenden Erkrankungen ist eine individuelle Einschätzung sinnvoll, denn Knoblauch ist in sehr hohen Mengen (ab 5 g frischem Knoblauch bzw. 1,25 ml Knoblauchextrakt pro kg Körpergewicht pro Tag) giftig für Hunde. Er kann zu einer tödlichen Form der Blutarmut führen.

Eine Studie der Lund-Universität in Malmö untersuchte die Zeckenabwehr an Menschen mit Knoblauchpulver gegen Placebo. Die Knoblauchgruppe hatte eine erheblich niedrigere Zahl an Zeckenstichen als die Placebo-Gruppe.

Zistrose (Cistus incanus)

Möglicherweise findet bei der Einnahme von Zistrose eine Geruchsveränderung der Haut statt, die Zecken abstoßend finden (Repellent Effekt). Zistrose wird beim Menschen zur Stärkung des Immunsystems eingesetzt. Sie verlangsamt den Alterungsprozess (antioxidativ), ist entzündungshemmend (antiphlogistisch) und verhindert das Wachstum von Bakterien, Pilzen etc. (antimikrobiell).

Durch Zufall wurde dabei festgestellt, dass es auch ein Zeckenabwehrmittel für deinen Hund sein kann. Du kannst deinem Hund entweder eine Kapsel mit 400mg Cistus-Extrakt täglich geben oder in Pulverform bis 5 kg: ½ TL, bis 15 kg: 1 – 2 gestrichene TL, bis 30 kg: 1 gestrichener EL, über 30 kg: 1 – 2 gestrichene EL. Erste Wirkungen sind nach 5 Tagen festzustellen, vollständiger Zeckenschutz soll nach 14 Tagen vorhanden sein.

Zistrose sollte nicht länger als 6 Wochen am Stück verabreicht werden, danach sind mindestens 2 Wochen Pause einzulegen. Zistrosenkraut enthält eine hohe Menge von Gerbstoffen, die nicht über einen längeren Zeitraum gegeben werden sollten. Bei einer Überdosierung wirken diese Gerbstoffe schleimhautreizend. Bei längerer und übermäßiger Einnahme führen sie zu starkem Brechreiz und Leberschädigung.

TIPP: Du kannst Zistrosenkraut auch als Teebehandlung äußerlich anwenden. Dazu überbrühst du das Kraut mit heißem Wasser, füllst den Tee nach dem Erkalten in eine Sprühflasche und besprühst deinen Hund mit dieser Lösung vor jedem Spaziergang. Bei Zistrose zeigte eine private Studie an 48 Hunden eine verringerte Anzahl der Zecken am Körper.

Zecken-Nosode

Hierbei tötet der Homöopath deines Vertrauens die von dir gesammelten Zecken in 40%-igem Alkohol ab. Mit dem Lösungsmittel Alkohol wird eine C6-Potenz hergestellt. Dieses Präparat gibst du deinem Hund 2 Wochen lang einmal täglich. Die Schutzwirkung hält oft für einige Wochen, manchmal sogar für Monate an. Nimmt der Zeckenbefall bei deinem Hund wieder zu, wiederholst du die Gabe für 1 – 2 Wochen.

Zecken-Nosoden werden in der Homöopathie von manchen Hundehaltern als unterstützende Maßnahme eingesetzt. Sie gehören nicht zu den klassischen Repellentien, die Zecken direkt abwehren, sondern werden eher als individueller Erfahrungsansatz verstanden. Wer diesen Weg ausprobieren möchte, sollte trotzdem regelmäßig absuchen und beobachten, ob der Hund tatsächlich weniger Zecken hat.

Kokosöl

Äußerlich angewendet scheint die im Kokosöl enthaltene Laurinsäure auf Zecken abschreckend zu wirken. Kalt gepresstes und unbehandeltes Kokosöl enthält bis zu 60% Laurinsäure. Äußerlich angewendet soll die Wirkung etwa 6 Stunden anhalten.

Innerlich angewendet soll es auch gegen Endoparasiten (Würmer, Pilze) wirken. Du kannst eine erbsen- bis walnussgroße Menge Kokosfett zuerst zwischen deinen Händen verreiben. Ist es flüssig, kannst du es einfacher vor jedem Gassi in das Fell deines Hundes einarbeiten. Innerlich gibst du deinem Hund während der Hochsaison ½–1 EL täglich unters Futter.

In einer Studie an der FU Berlin konnte festgestellt werden, dass sich Zecken von einer mit 10%-iger Laurinsäure behandelten Oberfläche entfernten.

Geraniol

Der intensive Geruch von Geraniol scheint auf Zecken einen abstoßenden Effekt (Repellent) zu haben. Außerdem soll es das Chitin im Exoskelett der Zecken angreifen und austrocknen. Geraniol soll nicht unverdünnt angewendet werden, sondern jeweils 5 Tropfen in 100ml Wasser aufgelöst als Lösung über das Fell deines Hundes sprühen.

Zu Beginn der Zeckensaison solltest du deinen Hund vor jedem Gassigang einsprühen, nach einer Woche kannst du es nur noch einmal täglich und nach 2 Wochen alle 2-3 Tage anwenden. Meiner Erfahrung nach gibt es Hunde, die den Geruch nicht annehmen oder halten können. Du merkst es daran, dass dein Hund nach kurzer Zeit nicht mehr danach riecht. In solchen Fällen, kannst du zusätzlich zum Hund sein Geschirr oder sein Halsband einsprühen, um den Geruch zu halten.

Ich nutze es hauptsächlich bei meinen Hunden zur Zecken- und Flohabwehr. Ein Feldversuch an Kühen mit 1% Geraniol Lösung zeigte eine starke Abwehr der Zecken im Gegensatz zu den unbehandelten Kühen.

Wenn du dich eher für chemische Optionen interessierst (Spot-on, Tablette, Halsband), lies hier weiter: chemischer Zeckenschutz beim Hund: Spot-on, Tablette oder Halsband

FAQ: Natürlicher Zeckenschutz beim Hund

Gibt es „das eine“ natürliche Mittel, das immer wirkt?

Nein leider nicht, Hunde sind unterschiedlich anfällig, und nicht bei jedem wirkt dasselbe gleich gut. Oft braucht es ein Vorgehen, das zu Hund & Umfeld passt.

Kann ich mehrere natürliche Mittel kombinieren?

Grundsätzlich ja, aber besser mit Plan, statt alles parallel zu starten. So erkennst du auch, was deinem Hund wirklich hilft und was er nicht verträgt.

Wie wende ich Kokosöl sinnvoll an?

Es gibt zwei Wege: äußerlich ins Fell einarbeiten (Wirkung soll ca. 6 Stunden anhalten) und innerlich während der Hochsaison unters Futter geben.

Ist Knoblauch für Hunde wirklich erlaubt?

In hohen Mengen ist Knoblauch giftig. Wenn du Knoblauch einsetzen willst, bleib bei kleinen Mengen und beobachte deinen Hund gut.

Wann sehe ich bei Zistrose erste Effekte?

Erste Wirkungen nach 5 Tagen, vollständiger Schutz soll nach 14 Tagen vorhanden sein, plus Pausenregel (max. 6 Wochen, dann 2 Wochen Pause).

Wie nutze ich Geraniol richtig?

Wichtig: nicht unverdünnt, 5 Tropfen in 100 ml Wasser. Zu Beginn vor jedem Gassi, später seltener.

Reicht natürlicher Zeckenschutz allein oder muss ich trotzdem absuchen?

Absuchen bleibt immer Pflicht, vor allem in der Hochsaison. Hier findest du die Schritt-für-Schritt-Anleitung: Zecke entfernen beim Hund

Woran merke ich, dass ich lieber medizinisch abklären lassen sollte?

Wenn nach Zeckenstichen ungewöhnliche Symptome auftreten, lohnt sich schnelles Handeln. Überblick: Zeckenkrankheiten beim Hund

Du willst Zecken natürlich angehen, aber sicher & passend zu deinem Hund?

Ich helfe dir, eine sinnvolle, individuelle Zecken-Strategie zu finden (innerlich/äußerlich, Dosierung, Alltag) ohne wildes „Alles gleichzeitig“.

Sabine Nowak

Sabine Nowak

Tierheilpraktikerin für Hunde

Hi, ich bin Sabine. Ich helfe dir, deinen Hund besser zu verstehen, wenn Gesundheit, Fütterung oder Alltag nicht mehr rundlaufen.

Ob Verdauung, Haut, Ernährung, Verhalten, Betreuung oder wiederkehrende Unsicherheit: Ich schaue nicht nur auf einzelne Probleme, sondern darauf, was bei deinem Hund zusammenhängt.

So bekommst du mehr Klarheit, bessere Entscheidungen und einen alltagstauglichen Weg, der wirklich zu deinem Hund passt.

...