Blutabnahme beim Hund: nüchtern, Vorbereitung und mögliche Störfaktoren

Vor einer Blutabnahme beim Hund entstehen oft ganz praktische Fragen: Muss mein Hund nüchtern sein? Darf er Wasser trinken? Wie lange sollte die letzte Mahlzeit zurückliegen und können Stress, Medikamente oder das Futter die Blutuntersuchung beeinflussen?

Die Antwort hängt zum Teil davon ab, welche Werte bestimmt werden sollen. Für die reine Untersuchung der Blutzellen ist Nüchternheit nicht bei jedem Parameter zwingend erforderlich. In der Praxis werden jedoch häufig gleichzeitig Organwerte, Stoffwechselparameter oder spezielle Laborwerte untersucht. Dann kann eine vorherige Futteraufnahme die Probe und einzelne Messergebnisse beeinflussen.

Auch die Qualität der Blutprobe selbst spielt eine Rolle. Begriffe wie lipämisch, hämolytisch oder ikterisch beschreiben Eigenschaften der Probe, die bei der Interpretation berücksichtigt werden müssen.

Muss mein Hund für die Blutabnahme nüchtern sein?

Für ein reines Blutbild ist eine Nüchternheit nicht grundsätzlich bei jedem Parameter erforderlich. Dabei werden vor allem die Blutzellen untersucht.

Häufig bleibt es bei einer Blutuntersuchung jedoch nicht beim Blutbild. Zusätzlich können beispielsweise Organwerte, Elektrolyte, Stoffwechselparameter, Hormone oder spezielle Laborwerte bestimmt werden. In diesen Fällen ist eine nüchterne Blutabnahme häufig sinnvoll, weil eine Mahlzeit die Zusammensetzung des Blutes vorübergehend verändern kann.

Besonders nach einer fettreicheren Mahlzeit können vermehrt Fettpartikel im Blut vorhanden sein. Das Serum oder Plasma kann dadurch trüb erscheinen und bestimmte Messverfahren beeinträchtigen.

Praktisch bedeutet das: Wenn nicht ausschließlich die Blutzellen untersucht werden sollen, ist es meist sinnvoller, den Hund mit einer mehrstündigen Futterpause zur Blutabnahme zu bringen, als ihn unmittelbar vorher zu füttern.

Wie lange sollte ein Hund vor der Blutabnahme nüchtern sein?

Eine einzige Nüchternzeit, die für jede Blutentnahme beim Hund gilt, gibt es nicht. Die notwendige Nahrungskarenz hängt davon ab, welche Parameter untersucht werden.

Für viele Untersuchungen der klinischen Chemie ist bereits eine mehrstündige Futterpause sinnvoll. Bei speziellen Untersuchungen können längere Nüchternzeiten erforderlich sein. Für bestimmte Pankreasparameter wie TLI und PLI werden beispielsweise häufig etwa 12 Stunden Nahrungskarenz empfohlen.

Eine sinnvolle praktische Orientierung sieht deshalb so aus:

UntersuchungOrientierung zur Nüchternheit
Reines BlutbildNüchternheit nicht für jeden Parameter zwingend erforderlich
Blutbild plus klinische ChemieMehrstündige Futterpause häufig sinnvoll
Bestimmte SpezialparameterJe nach Untersuchung längere Nahrungskarenz erforderlich, bei einzelnen Pankreaswerten häufig etwa 12 Stunden

Es geht dabei nicht darum, möglichst lange nüchtern zu lassen. Entscheidend ist vielmehr, dass die Bedingungen zur geplanten Untersuchung passen. Wurde für einen bestimmten Spezialtest eine konkrete Nüchternzeit vorgegeben, sollte diese eingehalten werden.

Darf mein Hund vor der Blutabnahme Wasser trinken?

Für übliche Blutuntersuchungen muss Wasser normalerweise nicht entzogen werden. Dein Hund darf in der Regel weiterhin trinken.

Eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme ist sogar sinnvoll, weil der Flüssigkeitshaushalt selbst verschiedene Laborwerte beeinflussen kann und gut gefüllte Gefäße die Blutentnahme erleichtern können.

Anders kann es aussehen, wenn neben der Blutabnahme noch eine Untersuchung oder ein Eingriff geplant ist, für den besondere Vorgaben gelten. Für die reine Blutentnahme besteht jedoch normalerweise kein Grund, Wasser vorsorglich wegzunehmen.

Was kann eine Blutprobe beeinflussen?

Zwischen dem Zustand deines Hundes und dem fertigen Laborwert liegen mehrere Schritte. Schon vor der eigentlichen Analyse können Einflüsse entstehen. Dazu gehören unter anderem Fütterung, Stress, Medikamente, die Blutentnahme selbst sowie Lagerung und Transport der Probe.

Dieser Teil der Labordiagnostik wird als Präanalytik bezeichnet. Für die Interpretation eines Laborbefundes ist sie wichtig, weil ein auffälliger Messwert nicht immer ausschließlich eine Veränderung im Körper widerspiegelt.

Futter und eine lipämische Blutprobe

Als lipämisch wird eine Blutprobe bezeichnet, die einen erhöhten Gehalt an Fettpartikeln aufweist. Serum oder Plasma erscheinen dabei häufig milchig oder trüb.

Eine typische Ursache ist eine Mahlzeit vor der Blutabnahme. Nach dem Fressen gelangen Nahrungsfette in den Blutkreislauf und können vorübergehend eine sogenannte postprandiale Lipämie verursachen.

Eine lipämische Probe bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der Hund lediglich zu kurz nüchtern war. Auch Fettstoffwechselstörungen, bestimmte Erkrankungen und Medikamente können dazu beitragen.

Problematisch ist Lipämie vor allem deshalb, weil sie verschiedene Laborverfahren stören kann. Besonders optische Messmethoden können durch die Trübung beeinflusst werden. Dadurch können einzelne Werte höher oder niedriger erscheinen, als sie tatsächlich sind.

Deshalb sollte bei einem auffälligen Laborwert immer berücksichtigt werden, ob das Labor zusätzlich einen Lipämiehinweis angegeben hat.

Was bedeutet eine hämolytische Blutprobe?

Bei einer hämolytischen Blutprobe sind rote Blutkörperchen beschädigt worden und Zellbestandteile in das umgebende Plasma oder Serum ausgetreten. Je nach Ausmaß kann sich die Probe rosa bis rötlich verfärben.

Ganz wichtig ist die Unterscheidung: Eine hämolytische Probe bedeutet nicht automatisch, dass im Körper des Hundes eine krankhafte Hämolyse stattfindet.

Rote Blutkörperchen können auch erst während oder nach der Blutentnahme beschädigt werden. Mögliche Ursachen sind beispielsweise eine schwierige Punktion, zu starkes Stauen, eine sehr kleine Kanüle, starkes Schütteln des Röhrchens oder ungünstiges Probenhandling.

Bei einer Hämolyse werden Bestandteile aus den roten Blutkörperchen freigesetzt. Gleichzeitig kann die Verfärbung der Probe bestimmte Messmethoden beeinflussen. Deshalb können verschiedene Laborwerte verfälscht werden.

Ob eine Hämolyse im Körper stattfindet oder lediglich in der Probe entstanden ist, lässt sich nicht aus dem Hinweis „hämolytisch“ allein ableiten. Dafür müssen Blutbild, weitere Laborwerte und das klinische Gesamtbild zusammen betrachtet werden.

Was bedeutet eine ikterische Blutprobe?

Eine ikterische Blutprobe ist gelblich bis bräunlich verfärbt. Ursache ist ein erhöhter Bilirubingehalt im Serum oder Plasma.

Anders als eine durch die Blutentnahme verursachte Hämolyse oder eine Lipämie nach dem Fressen entsteht eine ikterische Probe nicht dadurch, dass der Hund falsch auf die Blutabnahme vorbereitet wurde.

Ein hoher Bilirubingehalt kann ebenfalls optische Messmethoden beeinflussen. Was der Bilirubinwert aussagt und welche Zusammenhänge bestehen können, gehört deshalb in die weitere Interpretation des Laborbefundes. Eine sichtbare Gelbsucht muss dabei nicht zwangsläufig bereits vorhanden sein.

Stress und Aufregung bei der Blutabnahme

Viele Hunde sind beim Tierarzt aufgeregt. Stress ist jedoch nicht nur ein Verhaltensthema, sondern kann kurzfristig auch verschiedene Blutwerte verändern.

Stresshormone beeinflussen unter anderem die Verteilung der weißen Blutkörperchen. Beim Hund kann dadurch ein sogenanntes Stressleukogramm entstehen. Dabei können beispielsweise neutrophile Granulozyten und Monozyten ansteigen, während Lymphozyten und Eosinophile abnehmen.

Auch andere Werte können durch starke Aufregung oder körperliche Anstrengung beeinflusst werden. Deshalb ist es hilfreich, vor einer geplanten Blutabnahme keine intensive Belastung einzuplanen und dem Hund möglichst etwas Zeit zum Ankommen zu geben.

Wie Stress insbesondere die Leukozyten beeinflussen kann, erkläre ich im entsprechenden Blutwerteartikel ausführlicher.

Medikamente und Nahrungsergänzungen

Auch Medikamente und Nahrungsergänzungen können Laborwerte verändern. Das gilt unter anderem für Glukokortikoide, Antiepileptika, Diuretika, Hormone und verschiedene weitere Wirkstoffe.

Medikamente sollten deshalb nicht eigenständig vor der Blutabnahme abgesetzt werden. Wichtiger ist, dass bekannt ist, welche Medikamente und Ergänzungen dein Hund erhält und wann sie zuletzt gegeben wurden.

Bei Verlaufskontrollen kann zusätzlich der Zeitpunkt der Medikamentengabe wichtig sein. Für manche Wirkstoffe oder Hormone wird bewusst zu einem bestimmten Zeitpunkt nach der Einnahme Blut abgenommen.

Transport und Lagerung der Blutprobe

Auch nach der eigentlichen Blutentnahme kann die Probe beeinflusst werden. Temperatur, Lagerungsdauer, starke Erschütterungen und die Zeit bis zur Verarbeitung können die Probenqualität verändern.

Das ist vor allem dann relevant, wenn Blut an ein externes Labor geschickt wird. Für den Hundehalter lässt sich dieser Teil kaum beeinflussen, er gehört aber zur Erklärung, warum Laborwerte nicht ausschließlich vom Zustand des Hundes abhängen.

Wie läuft eine Blutabnahme beim Hund ab?

Bei einer normalen Blutentnahme beim Hund wird Blut aus einer Vene gewonnen. Je nach Hund, benötigter Blutmenge und Situation kann dafür beispielsweise eine Vene am Vorderbein, Hinterbein oder Hals genutzt werden.

Die Entnahmestelle wird vorbereitet und der Hund für kurze Zeit ruhig gehalten. Anschließend wird die Vene punktiert und die benötigte Blutmenge entnommen.

Je nachdem, welche Untersuchungen geplant sind, wird das Blut auf unterschiedliche Probenröhrchen verteilt. Ein Blutbild benötigt beispielsweise anderes Probenmaterial als viele Untersuchungen der klinischen Chemie.

Nach der Blutentnahme werden die Röhrchen entsprechend verarbeitet oder für den Versand an ein Labor vorbereitet. Die eigentliche Blutabnahme dauert bei unkompliziertem Verlauf meist nur kurze Zeit.

Wie kannst du deinen Hund auf die Blutabnahme vorbereiten?

Du kannst einige Bedingungen bereits vor dem Termin so gestalten, dass die Blutprobe möglichst gut verwertbar ist.

  • Futterpause einplanen: Wenn mehrere Laborbereiche untersucht werden sollen, ist eine mehrstündige Nahrungskarenz meist sinnvoll.
  • Wasser anbieten: Für eine normale Blutuntersuchung darf dein Hund in der Regel weiterhin trinken.
  • Starke Belastung vermeiden: Intensive Bewegung unmittelbar vor der Blutabnahme kann einzelne Werte beeinflussen.
  • Stress möglichst reduzieren: Plane genügend Zeit ein und vermeide unnötige Hektik vor dem Termin.
  • Medikamente notieren: Schreibe auf, welche Medikamente dein Hund erhält und wann sie zuletzt gegeben wurden.
  • Nahrungsergänzungen angeben: Auch Supplemente können für die Interpretation relevant sein.
  • Vorherige Befunde mitnehmen: Bei Verlaufskontrollen sind frühere Laborberichte besonders hilfreich.

Gerade bei wiederholten Blutuntersuchungen ist es außerdem sinnvoll, die Bedingungen möglichst ähnlich zu halten. Werden Kontrollwerte immer zu einer ähnlichen Tageszeit, unter vergleichbaren Fütterungsbedingungen und mit bekanntem Abstand zur Medikamentengabe bestimmt, lassen sich Veränderungen häufig besser beurteilen.

Der Laborbefund ist schon da?

In meiner Übersicht zu den Blutwerten findest du die wichtigsten Laborbereiche und Abkürzungen erklärt. So kannst du nach der Blutabnahme besser nachvollziehen, was auf dem Befund untersucht wurde.

Blutabnahme beim Hund richtig vorbereiten

Für eine aussagekräftige Blutuntersuchung ist nicht nur wichtig, welche Werte bestimmt werden. Auch die Bedingungen vor und während der Blutabnahme spielen eine Rolle.

Für ein reines Blutbild muss ein Hund nicht für jeden Parameter zwingend nüchtern sein. Da bei vielen Blutuntersuchungen gleichzeitig weitere Laborwerte bestimmt werden, ist eine mehrstündige Futterpause jedoch häufig sinnvoll. Bei speziellen Untersuchungen kann eine längere Nahrungskarenz erforderlich sein.

Hinweise wie „lipämisch“, „hämolytisch“ oder „ikterisch“ sollten bei der Interpretation ebenfalls berücksichtigt werden. Sie beschreiben Eigenschaften der Probe und können erklären, warum einzelne Messergebnisse möglicherweise nicht zuverlässig zum übrigen Befund passen.

Häufige Fragen zur Blutabnahme beim Hund

Muss mein Hund vor der Blutabnahme nüchtern sein?

Für ein reines Blutbild ist Nüchternheit nicht bei jedem Parameter zwingend erforderlich. Da häufig gleichzeitig weitere Laborwerte untersucht werden, ist eine mehrstündige Futterpause jedoch oft sinnvoll. Bei bestimmten Spezialuntersuchungen können längere Nüchternzeiten notwendig sein.

Wie lange darf ein Hund vor einer Blutabnahme nichts fressen?

Das hängt von der geplanten Untersuchung ab. Für viele Routineuntersuchungen ist eine mehrstündige Nahrungskarenz sinnvoll. Für bestimmte Spezialparameter, darunter einzelne Pankreaswerte, werden häufig längere Nüchternzeiten von etwa 12 Stunden empfohlen.

Darf ein Hund vor der Blutabnahme Wasser trinken?

Ja. Für übliche Blutuntersuchungen darf Wasser in der Regel weiterhin angeboten werden. Eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung kann die Blutentnahme sogar erleichtern.

Was bedeutet hämolytisch auf dem Laborbefund?

Bei einer hämolytischen Probe sind rote Blutkörperchen beschädigt worden und Zellbestandteile ausgetreten. Das kann während oder nach der Blutentnahme entstehen und bedeutet deshalb nicht automatisch, dass im Körper des Hundes eine krankhafte Hämolyse stattfindet.

Was bedeutet lipämisch bei einer Blutprobe?

Eine lipämische Probe enthält viele Fettpartikel und erscheint häufig milchig oder trüb. Eine Mahlzeit vor der Blutabnahme ist eine häufige Ursache. Lipämie kann verschiedene Messverfahren beeinflussen und dadurch einzelne Laborwerte verfälschen.

Was bedeutet eine ikterische Blutprobe?

Eine ikterische Probe ist durch einen erhöhten Bilirubingehalt gelblich bis bräunlich verfärbt. Anders als eine Lipämie nach dem Fressen ist sie nicht durch eine bessere Vorbereitung auf die Blutabnahme vermeidbar.

Kann Stress die Blutwerte beim Hund verändern?

Ja. Stress und starke Aufregung können unter anderem das weiße Blutbild, Muskelwerte und verschiedene Hormone beeinflussen. Deshalb sollte bei der Interpretation berücksichtigt werden, wie der Hund vor und während der Blutentnahme reagiert hat.

Sabine Nowak

Sabine Nowak

Tierheilpraktikerin für Hunde

Hi, ich bin Sabine. Ich helfe dir, deinen Hund besser zu verstehen, wenn Gesundheit, Fütterung oder Alltag nicht mehr rundlaufen.

Ob Verdauung, Haut, Ernährung, Verhalten, Betreuung oder wiederkehrende Unsicherheit: Ich schaue nicht nur auf einzelne Probleme, sondern darauf, was bei deinem Hund zusammenhängt.

So bekommst du mehr Klarheit, bessere Entscheidungen und einen alltagstauglichen Weg, der wirklich zu deinem Hund passt.

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