Du möchtest deinen Hund mit BARF ohne Knochen ernähren oder dein Hund verträgt beziehungsweise frisst keine Knochen? Dann benötigt die Ration eine andere verlässliche Calciumquelle. Eierschalenpulver und Calciumcarbonat gehören zu den häufig verwendeten Möglichkeiten. Beide lassen sich vergleichsweise genau dosieren, sind gut erhältlich und können unkompliziert unter das Futter gemischt werden. Wenn du dich zunächst mit dem grundsätzlichen Aufbau einer BARF-Ration beschäftigen möchtest, findest du im BARF-Guide zur Futtermenge und Aufteilung einen passenden Einstieg.
BARF ohne Knochen kurz zusammengefasst
- Knochen sind beim BARF nicht zwingend erforderlich. Eine bedarfsgerechte Calciumquelle ist jedoch unverzichtbar.
- Eierschalenpulver für den Hund ist eine gut dosierbare Möglichkeit, Calcium ohne Knochen zu ergänzen.
- Calciumcarbonat kann ebenfalls als Calciumquelle verwendet werden.
- Für die Berechnung zählt der tatsächliche Gehalt an elementarem Calcium und nicht nur die gefütterte Pulvermenge.
- Zusätzlich muss das Calcium-Phosphor-Verhältnis der gesamten Ration berücksichtigt werden.
- Bei Welpen, Trächtigkeit, Laktation oder Erkrankungen sollte die Calciumversorgung individuell berechnet werden.
Warum BARF ohne Knochen sinnvoll sein kann
Es gibt verschiedene Gründe, bei einer BARF-Ration auf Knochen zu verzichten. Bei einer chronischen Nierenerkrankung können Knochen beispielsweise ungünstig sein, weil sie neben Calcium auch Phosphor liefern. Muss die Phosphorzufuhr begrenzt werden, kann eine phosphorarme Calciumquelle besser zur Ration passen. Auch bei Hunden mit Darmträgheit, wiederkehrender Verstopfung, einem Megakolon oder einer Perinealhernie können Knochen problematisch sein, da ein hoher Knochenanteil den Kot zusätzlich verhärten und das Absetzen erschweren kann. Manche Hunde vertragen Knochen außerdem nicht gut, schlingen sie herunter oder verweigern sie vollständig. In diesen Fällen muss die Calciumversorgung nicht zwangsläufig über rohe fleischige Knochen erfolgen.
Merke: Soll Phosphor begrenzt werden, sind Calciumquellen ohne oder mit nur sehr geringem Phosphorgehalt häufig besser geeignet als Knochen.
Was kannst du tun, wenn dein Hund keine Knochen frisst?
Manche Hunde fressen keine ganzen Knochen oder können sie aufgrund ihres Fressverhaltens nicht sicher kauen. Eine Möglichkeit sind dann gewolfte rohe fleischige Knochen. Sie enthalten weiterhin den vollständigen Knochenanteil. Durch das Wolfen wird der Knochen lediglich zerkleinert, die enthaltene Calcium- und Phosphormenge verändert sich dadurch nicht grundsätzlich. Möchtest du bewusst vollständig auf Knochen verzichten oder verträgt dein Hund auch gewolfte RFK nicht, können Eierschalenpulver, Calciumcarbonat oder eine andere geeignete Calciumquelle eingesetzt werden. Welche Knochen grundsätzlich geeignet sind, wie sich ganze und gewolfte RFK unterscheiden und wann ein Verzicht sinnvoll sein kann, erfährst du im Artikel über den RFK-Anteil und geeignete Knochen beim BARF.
Welche Calciumquelle eignet sich für BARF ohne Knochen?
Für eine knochenfreie BARF-Ration kommen vor allem Eierschalenpulver, Calciumcarbonat und Algenkalk infrage. Daneben gibt es weitere Calciumverbindungen und Produkte, die je nach Rationsaufbau verwendet werden können. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede:
In der Praxis werden knochenfreie BARF-Rationen häufig mit Eierschalenpulver oder Calciumcarbonat ergänzt. Beide liefern überwiegend Calcium und unterscheiden sich nur geringfügig in ihrem Calciumgehalt. Welche Quelle besser passt, hängt von der übrigen Ration, der Verträglichkeit und dem gewünschten Verhältnis zwischen Calcium und Phosphor ab.
Eierschalenpulver oder Calciumcarbonat: Was ist besser?
Eierschalenpulver und Calciumcarbonat liefern vor allem Calcium und kaum Phosphor. Dadurch lässt sich die Calciumzufuhr gezielt erhöhen, ohne gleichzeitig größere Mengen Phosphor zuzuführen. Eierschalenpulver enthält häufig etwa 37 bis 38 % Calcium, Calciumcarbonat meist ungefähr 40 %. Maßgeblich ist jedoch immer die Deklaration des jeweiligen Produkts. Beide lassen sich gut dosieren und in kleinen Mengen unter das Futter mischen. Da beide Quellen nahezu ausschließlich Calcium liefern, muss gleichzeitig geprüft werden, wie viel Phosphor bereits in der übrigen Ration enthalten ist. Entscheidend ist deshalb nicht allein die Deckung des Calciumbedarfs, sondern das Verhältnis beider Mineralstoffe in der Gesamtration.
Auch die Verträglichkeit spielt eine Rolle. Sowohl Eierschalenpulver als auch Calciumcarbonat können bei empfindlichen Hunden zu Magenbeschwerden beitragen. Welche Variante besser geeignet ist, lässt sich deshalb nicht pauschal beantworten.
Weitere Calciumquellen als Knochenersatz
Algenkalk besteht überwiegend aus Calciumcarbonat. Der tatsächliche Calciumgehalt kann sich je nach Produkt unterscheiden, weshalb die benötigte Menge anhand der Deklaration berechnet werden sollte. Algenkalk ist nicht grundsätzlich hochwertiger oder besser verfügbar als andere Calciumcarbonatquellen. Entscheidend sind Calciumgehalt, Verträglichkeit und die Eignung für die jeweilige Ration.
Knochenmehl und Fleischknochenmehl liefern im Gegensatz zu Eierschalenpulver und Calciumcarbonat sowohl Calcium als auch Phosphor. Sie können deshalb sinnvoll sein, wenn nicht nur Calcium ergänzt werden soll und die Ration auch zusätzliches Phosphor benötigt. Muss Phosphor dagegen begrenzt werden, sind reine Calciumquellen häufig besser geeignet. Die enthaltenen Mengen und das Calcium-Phosphor-Verhältnis unterscheiden sich je nach Produkt, sodass für die Berechnung die jeweiligen Analysewerte verwendet werden müssen. Ähnliches gilt für Knochenmus. Es enthält zerkleinerte Knochenbestandteile und liefert damit ebenfalls Calcium und Phosphor. Als zuverlässig berechenbare Calciumquelle eignet es sich nur, wenn der Hersteller die entsprechenden Mineralstoffgehalte ausreichend genau angibt.
Calciumcitrat enthält weniger elementares Calcium als Eierschalenpulver oder Calciumcarbonat. Dadurch wird eine größere Produktmenge benötigt, um dieselbe Calciummenge bereitzustellen.
Warum Calciumcitrat heute kaum noch verwendet wird
In älteren BARF-Empfehlungen wird Calciumcitrat teilweise noch als mögliche Calciumquelle genannt. Da für Calciumcitrat derzeit keine gültige Zulassung als Futtermittelzusatzstoff für Heimtierfutter vorliegt, dürfen entsprechende Futtermittelprodukte nicht regulär als solche in Verkehr gebracht werden. Das bedeutet nicht automatisch, dass Calciumcitrat grundsätzlich unverträglich oder gefährlich ist. Entscheidend ist an dieser Stelle die futtermittelrechtliche Einordnung.
Was ist bei einer knochenfreien Ration besonders wichtig?
Werden ganze oder gewolfte Knochen vollständig aus der Ration entfernt, entfällt nicht nur eine Calciumquelle, sondern gleichzeitig auch eine natürliche Phosphorquelle. Deshalb sollte nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass eine reine Calciumquelle wie Eierschalenpulver oder Calciumcarbonat in jeder knochenfreien Ration die beste Lösung ist. Entscheidend ist, wie viel Phosphor Muskelfleisch, Innereien und Fisch bereits liefern, welches Calcium-Phosphor-Verhältnis daraus entsteht, ob Phosphor aus gesundheitlichen Gründen begrenzt werden soll und welche Calciumquelle der Hund verträgt. Auch die Frage, wie genau sich ein Produkt anhand seiner Deklaration berechnen lässt, spielt eine Rolle.
Falls du doch Knochen füttern möchtest
Entscheidest du dich für ganze oder gewolfte RFK, sollten die Knochen passend zum Hund ausgewählt und als berechneter Bestandteil der Ration gefüttert werden. Knochen werden ausschließlich roh gefüttert, sehr harte tragende Knochen großer Tiere eignen sich wegen des Risikos von Zahnfrakturen nicht als Kauartikel und ganze RFK sollten so gewählt werden, dass der Hund sie nicht einfach herunterschlingen kann. Die Fütterung sollte beaufsichtigt und die Verträglichkeit beobachtet werden. Sehr harter, heller oder bröseliger Kot kann darauf hinweisen, dass die Knochenmenge zu hoch ist. Eine ausführliche Einordnung zur Auswahl und Berechnung findest du im Artikel über geeignete Knochen und den RFK-Anteil beim BARF. Ob Hühnerhälse allein als Calciumquelle ausreichen können, wird im Beitrag Reichen Hühnerhälse beim BARF? anhand konkreter Beispiele erklärt.
Wie wird Eierschalenpulver oder Calciumcarbonat dosiert?
Für die Dosierung zählt nicht allein die Grammmenge des Pulvers. Entscheidend ist, wie viel elementares Calcium darin enthalten ist. Ein Produkt mit 38 % Calcium liefert pro Gramm Pulver 380 mg elementares Calcium, ein Produkt mit 40 % Calcium entsprechend 400 mg. Die benötigte Pulvermenge hängt deshalb vom Calciumbedarf des Hundes, der bereits in der Ration enthaltenen Calciummenge, dem Calciumgehalt des verwendeten Produkts, der Phosphormenge der Gesamtration und dem angestrebten Calcium-Phosphor-Verhältnis ab. Wenn du zunächst berechnen möchtest, wie viel Calcium dein Hund benötigt, kannst du dafür meinen Calciumrechner für Hunde nutzen. Wie unterschiedliche Bedarfswerte einzuordnen sind, erkläre ich zusätzlich im Artikel über den Calciumbedarf beim Hund. Warum die errechnete Calciummenge anschließend immer gemeinsam mit Phosphor beurteilt werden sollte, erfährst du im Beitrag über das Calcium-Phosphor-Verhältnis beim Hund.
Häufige Fehler bei BARF ohne Knochen
- Die Knochen werden weggelassen, aber nicht ersetzt: Ohne Knochen oder eine andere Calciumquelle enthält eine fleischbasierte Ration in der Regel zu wenig Calcium und gleichzeitig vergleichsweise viel Phosphor.
- Das Pulver wird nach Teelöffeln dosiert: Verschiedene Pulver unterscheiden sich in Dichte, Feinheitsgrad und Calciumgehalt. Eine Dosierung anhand des Gewichts und der Produktdeklaration ist zuverlässiger.
- Der Calciumgehalt wird mit der Pulvermenge verwechselt: Ein Gramm Eierschalenpulver entspricht nicht einem Gramm Calcium. Maßgeblich ist der prozentuale Calciumgehalt des Produkts.
- Es wird nur der Calciumbedarf betrachtet: Auch bei BARF ohne Knochen muss geprüft werden, wie viel Phosphor die übrige Ration liefert und welches Calcium-Phosphor-Verhältnis daraus entsteht.
- Mehrere Calciumquellen werden gleichzeitig verwendet: Eierschalenpulver, Calciumcarbonat, Knochenmehl und andere Quellen müssen gemeinsam berechnet werden. Eine vorsorgliche Kombination kann zu einer Überversorgung führen.
- Eine Standardmenge wird auf jeden Hund übertragen: Die benötigte Calciummenge hängt unter anderem vom Körpergewicht, Energiebedarf, der Lebensphase und der gesamten Futterzusammensetzung ab.
Du bist unsicher, ob deine Calciumquelle und die verwendete Menge wirklich zur Ration passen?
Beim Calcium-Check prüfe ich die verwendete Calciumquelle, die tatsächliche Calciumzufuhr und das Calcium-Phosphor-Verhältnis deiner bestehenden Ration. Wenn dagegen mehrere Bereiche deiner Fütterung überprüft werden sollen, ist die vollständige Rationsüberprüfung die passendere Leistung.
Fazit: Calciumversorgung bei BARF ohne Knochen
Eine BARF-Ration kann ohne ganze oder gewolfte Knochen zusammengestellt werden. Die fehlende Calciumquelle muss dann jedoch gezielt ersetzt werden. Eierschalenpulver und Calciumcarbonat liefern überwiegend Calcium und kaum Phosphor und können besonders dann sinnvoll sein, wenn die Calciumzufuhr genau gesteuert oder Phosphor begrenzt werden soll. Knochenmehl, Fleischknochenmehl oder ein ausreichend deklariertes Knochenmus liefern dagegen sowohl Calcium als auch Phosphor und können besser zu einer Ration passen, in der beide Mineralstoffe ergänzt werden müssen. Welche Lösung geeignet ist, hängt deshalb nicht allein davon ab, ob ein Produkt Calcium enthält. Entscheidend sind die Zusammensetzung der gesamten Ration, der tatsächliche Mineralstoffgehalt des Produkts und das daraus entstehende Calcium-Phosphor-Verhältnis. Bei Welpen, tragenden oder säugenden Hündinnen, Erkrankungen und therapeutischen Diäten sollte die Ration individuell berechnet und regelmäßig überprüft werden.
FAQ zu BARF ohne Knochen
Ist Eierschalenpulver beim BARF sinnvoll?
Eierschalenpulver ist eine gut dosierbare Calciumquelle und kann besonders bei einer knochenfreien BARF-Ration sinnvoll sein. Da es nahezu ausschließlich Calcium liefert, muss die Dosierung zur Phosphormenge der übrigen Ration passen.
Was ist besser: Eierschalenpulver oder Calciumcarbonat?
Beide Produkte können zur Calciumversorgung eingesetzt werden. Calciumcarbonat enthält meist etwas mehr Calcium, während Eierschalenpulver von vielen Hundehaltern als naturnähere Möglichkeit wahrgenommen wird. Entscheidend sind der tatsächliche Calciumgehalt, die Verträglichkeit und die Zusammensetzung der gesamten Ration.
Muss ich bei BARF ohne Knochen das Calcium-Phosphor-Verhältnis prüfen?
Ja. Reine Calciumquellen liefern kaum Phosphor. Deshalb muss geprüft werden, wie viel Phosphor über Muskelfleisch, Innereien, Fisch und andere Zutaten aufgenommen wird. Die Calciumquelle sollte so dosiert werden, dass nicht nur der Calciumbedarf, sondern auch das Verhältnis zwischen Calcium und Phosphor zur Gesamtration passt.
Kann ich Knochenmehl statt Eierschalenpulver verwenden?
Knochenmehl kann eine Alternative sein, liefert jedoch anders als Eierschalenpulver sowohl Calcium als auch Phosphor. Ob es besser zur Ration passt, hängt davon ab, wie viel Phosphor bereits über die übrigen Futterbestandteile aufgenommen wird. Maßgeblich sind die Analysewerte des verwendeten Produkts.
Sind gewolfte Knochen eine knochenfreie Calciumquelle?
Nein. Gewolfte Knochen sind weiterhin Knochen. Sie wurden lediglich zerkleinert und liefern ebenso Calcium und Phosphor wie ganze RFK. Sie können für Hunde geeignet sein, die ganze Knochen nicht zuverlässig kauen, gehören aber nicht zu einer tatsächlich knochenfreien Ration.





