Wer seinen Hund barft, stößt früher oder später auf das Thema Calcium. Dabei stellt sich häufig die Frage, ob sich der Knochenanteil einer BARF-Ration vollständig mit Hühnerhälsen abdecken lässt oder ob verschiedene rohe fleischige Knochen miteinander kombiniert werden sollten.
Diese Frage lässt sich nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten. Entscheidend sind unter anderem der Calciumbedarf des Hundes, die gefütterte Menge, der tatsächliche Knochenanteil der Hühnerhälse und die Zusammensetzung der übrigen Ration. Hühnerhälse liefern neben Calcium auch Phosphor und ihr Mineralstoffgehalt kann schwanken. Deshalb muss immer auch das Calcium-Phosphor-Verhältnis der gesamten Ration berücksichtigt werden.
Häufig liest man, dass Hühnerhälse bei einer BARF-Aufteilung nach dem Beutetierprinzip grundsätzlich nicht ausreichen und deshalb zusätzlich Calcium gegeben werden müsse. Das kann im Einzelfall zutreffen, ist aber keine allgemeingültige Regel. Je nach Rationsaufbau kann es sinnvoller sein, den RFK-Anteil anzupassen oder Hühnerhälse mit anderen geeigneten Knochen zu kombinieren. Eine zusätzliche Calciumquelle sollte dagegen nicht vorsorglich eingesetzt werden.
Kurz zusammengefasst: Hühnerhälse können den Calciumbedarf decken, wenn Menge, übrige Ration und Calcium-Phosphor-Verhältnis zusammenpassen. Ob sie allein ausreichen oder mit anderen RFK beziehungsweise einer anderen Calciumquelle kombiniert werden sollten, muss anhand der Gesamtration beurteilt werden.
Warum Fleisch allein zu wenig Calcium liefert
Beim BARF entsteht manchmal der Eindruck, dass hochwertiges Fleisch automatisch alle notwendigen Nährstoffe liefert. Für die Calciumversorgung trifft das jedoch nicht zu. Muskelfleisch enthält vergleichsweise viel Phosphor, aber nur wenig Calcium. Besteht die Ration überwiegend aus Fleisch und fehlt eine geeignete Calciumquelle, verschiebt sich das Verhältnis deshalb deutlich in Richtung Phosphor.
Die folgenden Werte geben eine grobe Orientierung pro 100 g:
- Hühnerfleisch: etwa 212 mg Phosphor und 14 mg Calcium
- Gewolftes Rindfleisch: etwa 168 mg Phosphor und 6 mg Calcium
- Kalb- oder Rindfleisch: etwa 160 mg Phosphor und 13 mg Calcium
- Putenbrust: etwa 200 mg Phosphor und 13 mg Calcium
- Lammfleisch: etwa 200 mg Phosphor und 7 mg Calcium
Eine Ration aus Fleisch und etwas Gemüse reicht deshalb nicht aus, um den Calciumbedarf eines Hundes zuverlässig abzudecken. Es wird eine gezielt eingeplante Calciumquelle benötigt. Das können rohe fleischige Knochen wie Hühnerhälse oder eine passend berechnete Alternative sein. Wie hoch der Bedarf deines Hundes grundsätzlich ist, kannst du mit meinem Calciumrechner für Hunde berechnen. Die verschiedenen zugrunde liegenden Bedarfswerte erkläre ich ausführlicher im Artikel über den Calciumbedarf des Hundes beim BARF.
Wie viel Calcium liefern Hühnerhälse?
Hühnerhälse enthalten grob etwa 1.000 bis 1.600 mg Calcium und ungefähr 700 bis 900 mg Phosphor pro 100 g. Diese Werte sind jedoch keine festen Produktangaben. Hühnerhälse sind Naturprodukte und können sich hinsichtlich Knochenanteil, Fleischanteil, Größe und Zuschnitt unterscheiden. Auch Alter und Größe des Tieres sowie die Verarbeitung können den tatsächlichen Mineralstoffgehalt beeinflussen.
Solche Schwankungen gibt es auch bei anderen RFK, bei Fleisch und bei Innereien. Für die praktische Fütterung bedeutet das nicht, dass jeden Tag exakt derselbe Calciumwert erreicht werden muss. Bei gesunden erwachsenen Hunden ist entscheidend, dass die Versorgung über einen angemessenen Zeitraum im Durchschnitt passt und weder dauerhaft eine deutliche Unterversorgung noch eine Überversorgung entsteht.
Bei der klassischen BARF-Aufteilung werden RFK mit einem vergleichsweise geringeren Knochen- und Mineralstoffanteil häufig in einer höheren Menge eingeplant. Werden beispielsweise ausschließlich weichere RFK wie Hühnerhälse verwendet, kann der RFK-Anteil entsprechend höher angesetzt und der Anteil an Pansen und Blättermagen reduziert werden. Warum je nach verwendeten Knochen beispielsweise 15 oder 20 % RFK innerhalb des tierischen Anteils eingeplant werden, erkläre ich im Artikel über den RFK-Anteil und geeignete Knochen beim BARF.
Ein höherer RFK-Anteil erhöht allerdings nicht nur die Calciumzufuhr. Er beeinflusst ebenfalls das Calcium-Phosphor-Verhältnis und häufig die Kotkonsistenz. Die Anpassung sollte deshalb immer im Zusammenhang mit der gesamten Ration erfolgen.
Können Hühnerhälse den Calciumbedarf vollständig decken?
Grundsätzlich können Hühnerhälse zur Calciumversorgung eingesetzt werden. Ob sie den Bedarf innerhalb einer konkreten BARF-Ration vollständig decken, hängt jedoch von der täglich oder wöchentlich gefütterten Menge, ihrem tatsächlichen Knochenanteil, der Phosphorzufuhr aus Muskelfleisch und Innereien, weiteren RFK oder Calciumquellen und dem zugrunde gelegten Calciumbedarf ab.
Die folgende Praxisbox zeigt, wie unterschiedlich das Ergebnis ausfallen kann, wenn verschiedene Referenzwerte für die Berechnung verwendet werden. Die Hintergründe der einzelnen Bedarfswerte und den vollständigen Rechenweg findest du im Beitrag über die Berechnung des Calciumbedarfs beim Hund.
Wichtig zur Einordnung: Die Werte in der Tabelle stammen aus verschiedenen Berechnungsmodellen. Viele davon wurden ursprünglich für fertig zusammengesetzte Futtermittel entwickelt und lassen sich deshalb nicht einfach eins zu eins auf eine BARF-Ration übertragen. Bei der Frischfütterung stammen Calcium und Phosphor aus anderen Quellen, beispielsweise aus Fleisch und Knochen. Die Tabelle zeigt deshalb vor allem, wie unterschiedlich das Ergebnis je nach verwendetem Richtwert ausfallen kann. Sie ist keine feste Fütterungsempfehlung.
Bei dem beispielhaft berechneten Hund mit 10 kg Körpergewicht liegen die aufgeführten Werte zwischen etwa 0,27 und 0,90 g Calcium pro Tag. Genau diese Spannweite erklärt, warum zur Frage, ob Hühnerhälse ausreichen, sehr unterschiedliche Aussagen zu finden sind. Die Calciummenge allein reicht für die Beurteilung allerdings nicht aus. Zusätzlich müssen die Phosphorzufuhr aus Muskelfleisch und Innereien, der gesamte RFK-Anteil und das Calcium-Phosphor-Verhältnis berücksichtigt werden.
Hühnerhälse mischen oder zusätzlich Calcium geben?
Die Kombination verschiedener RFK kann sinnvoll sein, wenn du die Calciumversorgung nicht ausschließlich über eine einzige natürliche Quelle mit schwankendem Knochenanteil abdecken möchtest. Hühnerhälse können beispielsweise mit geeigneten Karkassen, Brustbein oder Rippen kombiniert werden. Dabei muss berücksichtigt werden, dass sich Knochenanteil und Mineralstoffgehalt der einzelnen RFK unterscheiden. Welche Knochen sich eignen und worauf du bei Auswahl und Menge achten solltest, findest du im Artikel über geeignete Knochen und den RFK-Anteil beim BARF.
Eine zusätzliche Calciumquelle kann dagegen sinnvoll sein, wenn dein Hund keine Knochen verträgt, keine Knochen fressen soll oder die Calciumzufuhr besonders genau gesteuert werden muss. Auch wenn Phosphor begrenzt werden soll, kann eine Calciumquelle ohne zusätzlichen Phosphor besser geeignet sein als RFK. Ein Supplement sollte jedoch nicht vorsorglich zu einer bereits knochenhaltigen Ration gegeben werden. Knochen und zusätzliche Calciumquellen müssen gemeinsam berechnet werden, damit keine Doppelversorgung entsteht. Welche Alternativen infrage kommen, erkläre ich im Artikel über Eierschalenpulver und andere Calciumquellen als Knochenersatz.
Wie wird aus dem RFK-Anteil eine Grammmenge?
Die konkrete Menge an Hühnerhälsen hängt von der gesamten Futtermenge und davon ab, ob sich der angegebene Prozentwert auf die Gesamtration oder auf den tierischen Anteil bezieht. Bei der klassischen Aufteilung nach dem Beutetierprinzip beziehen sich die Prozentwerte für Muskelfleisch, Pansen, Innereien und RFK normalerweise auf den tierischen Anteil.
Mit meinem BARF-Rechner kannst du die tägliche und wöchentliche Futtermenge sowie den RFK-Anteil in Gramm berechnen. Wie die Aufteilung aus tierischen und pflanzlichen Bestandteilen grundsätzlich aufgebaut ist, erkläre ich zusätzlich im Guide zur Rationsaufteilung.
Vorteile und Risiken von Hühnerhälsen und anderen RFK
- Calcium und Phosphor: Geeignete RFK liefern beide Mineralstoffe und können damit einen wichtigen Bestandteil einer BARF-Ration bilden.
- Beschäftigung und Kauen: Das Kauen und Nagen kann den Hund beschäftigen und zu einer mechanischen Reduktion von Zahnbelägen beitragen. Dieser Effekt ersetzt jedoch keine regelmäßige Kontrolle der Zahngesundheit.
- Risiko von Zahnfrakturen: Sehr harte Knochen, insbesondere tragende Knochen großer Tiere, können die Zähne stark belasten und eignen sich deshalb nicht als empfehlenswerte Kauartikel.
- Verdauungsprobleme: Eine zu hohe Knochenmenge kann zu sehr hartem Kot, starkem Pressen oder Verstopfung führen.
- Individuelle Verträglichkeit: Nicht jeder Hund kann ganze RFK sicher kauen und verdauen. Bei starkem Schlingen oder eingeschränkter Kauleistung können gewolfte RFK oder eine andere Calciumquelle besser geeignet sein.
Du möchtest wissen, ob deine Hühnerhälse wirklich zur Calciumversorgung ausreichen?
Beim Calcium-Check prüfe ich die verwendeten RFK, die tatsächliche Calciumzufuhr und das Calcium-Phosphor-Verhältnis deiner bestehenden Ration. Wenn mehrere Bereiche deiner Fütterung überprüft werden sollen, ist die vollständige Rationsüberprüfung die passendere Leistung.
Fazit: Reichen Hühnerhälse zur Calciumversorgung?
Hühnerhälse können den Calciumbedarf eines Hundes decken. Das geschieht jedoch nicht automatisch allein dadurch, dass sie als RFK in der Ration enthalten sind. Entscheidend sind die gefütterte Menge, der tatsächliche Knochenanteil, der zugrunde gelegte Bedarfswert und die Zusammensetzung der übrigen Ration. Besonders die Phosphorzufuhr aus Muskelfleisch und Innereien muss gemeinsam mit der Calciumzufuhr betrachtet werden.
Je nach Rationsaufbau kann es sinnvoll sein, den RFK-Anteil anzupassen, Hühnerhälse mit anderen geeigneten Knochen zu kombinieren oder eine alternative Calciumquelle einzusetzen. Eine zusätzliche Calciumgabe sollte jedoch nicht vorsorglich erfolgen. Knochen und Supplemente müssen gemeinsam berechnet werden, damit weder eine Unterversorgung noch eine unnötige Doppelversorgung entsteht.
Merke: Nicht die einzelne Zutat entscheidet darüber, ob die Calciumversorgung passt. Maßgeblich ist die gesamte Ration einschließlich des Calcium-Phosphor-Verhältnisses.
FAQ zu Hühnerhälsen beim BARF
Wie oft sollte ich Hühnerhälse füttern?
Hühnerhälse sollten als berechneter Bestandteil der BARF-Ration eingeplant und nicht zusätzlich als sporadischer Snack gefüttert werden. Die gesamte Wochenmenge kann je nach Verträglichkeit auf mehrere Mahlzeiten verteilt werden. Entscheidend ist, dass die Gesamtmenge zum Calciumbedarf und zur übrigen Ration passt.
Sollte ich Hühnerhälse ganz oder gewolft füttern?
Ob ganze oder gewolfte Hühnerhälse geeigneter sind, hängt vom Fressverhalten und der Kauleistung deines Hundes ab. Schlingt er stark oder kaut Knochen nicht zuverlässig, können gewolfte Hühnerhälse oder eine andere Calciumquelle sinnvoller sein. Gewolfte Hühnerhälse enthalten weiterhin den gesamten Knochen. Durch das Wolfen verändert sich die enthaltene Mineralstoffmenge grundsätzlich nicht.
Dürfen Hühnerhälse gekocht gefüttert werden?
Hühnerhälse sollten nicht gekocht oder anderweitig stark erhitzt gefüttert werden. Durch das Erhitzen verändert sich die Knochenstruktur und das Risiko für scharfkantige Bruchstücke kann steigen. Wenn Knochen gefüttert werden, sollten sie roh und passend zum Hund ausgewählt werden.
Woran erkenne ich einen zu hohen Knochenanteil?
Sehr heller, trockener oder kreidiger Kot, starkes Pressen und Verstopfung können auf eine zu hohe Knochenmenge hinweisen. In diesem Fall sollte der gesamte RFK-Anteil überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.
Können auch Welpen Hühnerhälse bekommen?
Auch bei Welpen können Hühnerhälse als Bestandteil der Calciumversorgung eingesetzt werden. Die Menge sollte jedoch nicht nach Gefühl festgelegt werden. Während des Wachstums müssen Futtermenge, Calciumzufuhr und gesamte Zusammensetzung regelmäßig an das aktuelle Gewicht und die jeweilige Wachstumsphase angepasst werden. Wie eine BARF-Ration während des Wachstums aufgebaut und angepasst wird, erkläre ich ausführlich im Artikel über das BARFen von Welpen.





