BARF Aufteilung: Beutetierprinzip verstehen und sinnvoll an deinen Hund anpassen

Die BARF-Aufteilung nach dem Beutetierprinzip gehört zu den bekanntesten Ansätzen beim BARF. Dabei orientiert man sich grob daran, wie ein Beutetier zusammengesetzt ist, und leitet daraus eine praktische Struktur für die Ration ab. Häufig wird dafür die Aufteilung 80/20 verwendet.

Das Problem: Viele Hundehalter behandeln diese Zahlen wie ein festes Gesetz. Genau dann wird BARF unnötig kompliziert oder führt dazu, dass ständig an einzelnen Prozentwerten nachjustiert wird.

In diesem Artikel bekommst du eine klare und alltagstaugliche Einordnung:

  • was 80/20 und ähnliche Richtwerte wirklich bedeuten,
  • warum ein Richtwert nicht automatisch den individuellen Bedarf abbildet,
  • wann du von der üblichen Aufteilung abweichen solltest,
  • welche typischen Fehler rund um das Beutetierprinzip häufig auftreten.

Wenn du dich zunächst grundsätzlich orientieren möchtest, findest du im Guide für BARF-Anfänger einen Überblick über die wichtigsten Grundlagen und Bestandteile einer BARF-Ration.

Was bedeutet das Beutetierprinzip beim BARF?

Das Beutetierprinzip ist eine Orientierung, mit deren Hilfe eine BARF-Ration in sinnvolle Bestandteile gegliedert werden kann.

Es geht nicht darum, ein echtes Beutetier exakt nachzubilden. Vielmehr beantwortet das Prinzip eine praktische Frage: Wie lässt sich eine Ration so zusammensetzen, dass sie nicht nur aus Fleisch und einigen beliebig ausgewählten Ergänzungen besteht?

80/20: Warum diese Aufteilung so häufig verwendet wird

Die Aufteilung 80/20 steht beim BARF in der Regel für:

  • 80 % tierische Bestandteile
  • 20 % pflanzliche Bestandteile

Für einen gesunden erwachsenen Hund ist diese Verteilung eine bewährte und sinnvolle Grundstruktur. Sie orientiert sich am Beutetierprinzip und bietet eine übersichtliche Basis für die weitere Rationsplanung.

80/20 ist jedoch keine Bedarfsberechnung und kein starres Gesetz für jeden Hund.

Auch bei Welpen kann die Ration prozentual aufgeteilt werden. Die Gesamtfuttermenge und die Zusammensetzung müssen während des Wachstums jedoch regelmäßig an das aktuelle Gewicht, die Entwicklungsphase und die verwendeten Futterbestandteile angepasst werden. Ein pauschaler Knochenanteil von 20 % ist bei Welpen nicht automatisch erforderlich.

Bei kranken Hunden oder Hunden mit besonderen Anforderungen können ebenfalls gezielte Anpassungen notwendig sein.

Merke: 80/20 ist eine Grundstruktur, keine starre Bedarfsberechnung.

So ist die Aufteilung innerhalb von 80/20 gemeint

Beim klassischen BARF nach dem Beutetierprinzip wird die gesamte Futtermenge zunächst in 80 % tierische und 20 % pflanzliche Bestandteile aufgeteilt.

Wichtig: Die folgenden Prozentwerte für Muskelfleisch, Pansen, Innereien und RFK beziehen sich auf den tierischen Anteil und nicht auf die gesamte Futtermenge.

Der tierische Anteil wird häufig folgendermaßen untergliedert:

  • 50 % Muskelfleisch als Basis des tierischen Anteils
  • 20 % Pansen und Blättermagen
  • 15 % Innereien, insbesondere Leber, Niere und Milz
  • 15 % rohe fleischige Knochen als calciumliefernder Skelettanteil

Warum je nach verwendeten Knochen 15 oder 20 % eingeplant werden, erfährst du beim RFK-Anteil und geeigneten Knochen beim BARF.

Der pflanzliche Anteil wird häufig folgendermaßen aufgeteilt:

  • 75 % Gemüse
  • 25 % Obst

Auch diese Werte beziehen sich auf den pflanzlichen Anteil und nicht auf die gesamte Futtermenge.

Das Beutetierprinzip ist damit keine starre Zahlenvorgabe. Es ist eine Grundstruktur aus Muskelfleisch, Magenanteilen, nährstoffreichen Innereien und einem passenden Skelettanteil. Ergänzt wird diese Struktur durch einen pflanzlichen Anteil, bei dem Gemüse in der Regel den größeren Teil ausmacht.

Mit dem BARF-Rechner kannst du die Aufteilung für deinen Hund anschließend praktisch berechnen.

Warum ein Richtwert nicht den individuellen Bedarf ersetzt

Das Beutetierprinzip beschreibt zunächst nur die Zusammensetzung einer Ration. Wie viel Futter und Energie ein Hund tatsächlich benötigt, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Aktivität und Bewegung
  • individueller Stoffwechsel
  • Alter und Entwicklungsphase
  • aktuelles Gewicht und Zielgewicht
  • Energiegehalt und Fettanteil der Ration
  • Verträglichkeit der einzelnen Bestandteile
  • gesundheitliche oder individuelle Besonderheiten

Deshalb ist es vollkommen normal, dass zwei Hunde mit dem gleichen Gewicht unterschiedliche Futtermengen oder Anpassungen innerhalb der Ration benötigen.

Wann du von der üblichen Aufteilung abweichen solltest

Eine Abweichung von der Grundstruktur ist nicht automatisch ein Fehler. Häufig bedeutet sie lediglich, dass einzelne Bestandteile an die Verdauung und den tatsächlichen Bedarf des Hundes angepasst werden.

Typische Beispiele sind:

  • Pansen oder Blättermagen bereiten Probleme

    Pansen und Blättermagen können für manche Hunde aufgrund ihrer schwereren Verdaulichkeit zu weichem Kot, Blähungen oder Bauchgrummeln führen. In diesem Fall kann der Anteil reduziert, seltener gefüttert oder vollständig durch Muskelfleisch ersetzt werden.

  • Innereien führen regelmäßig zu weichem Kot

    Innereien sollten deshalb nicht grundsätzlich weggelassen werden. Häufig hilft es, sie auf mehrere kleine Portionen zu verteilen, zunächst mit geringeren Mengen zu beginnen und den Anteil langsam zu steigern. Besonders Leber und Milz können bei empfindlichen Hunden schneller zu weichem Kot führen als andere Innereien.

  • Die verwendeten RFK unterscheiden sich deutlich

    Nicht jeder rohe fleischige Knochen liefert im Verhältnis zur gefütterten Menge gleich viel Calcium. Weichere RFK enthalten häufig einen größeren Fleischanteil und einen geringeren Knochenanteil. Deshalb kann davon mehr benötigt werden als von besonders mineralreichen oder knochenreichen RFK.

Merke: In der Praxis reichen häufig kleine Anpassungen zwischen Muskelfleisch, Pansen, Blättermagen, Innereien und RFK aus. Die gesamte Ration muss deshalb nicht grundsätzlich neu aufgebaut werden.

Die häufigsten Fehler beim Beutetierprinzip

1. Die Aufteilung stimmt, also muss auch die Ration stimmen

Die Prozentwerte können stimmen, obwohl Energie, Fett, Calcium oder Jod nicht passend gedeckt sind. Das Beutetierprinzip gibt eine Struktur vor, ersetzt aber keine vollständige Bedarfsbetrachtung.

2. Die Ration enthält zu wenig Fett

Eine sehr magere BARF-Ration kann auf den ersten Blick gesund wirken, liefert aber möglicherweise nicht genügend Energie. Häufig wird dann die gesamte Futtermenge erhöht, obwohl eigentlich der Fettanteil angepasst werden müsste.

Welche Bedeutung Fett im BARF für die Energieversorgung hat und wie du erkennst, ob eine Ration zu mager ist, habe ich ausführlicher erklärt. Mit dem BARF-Fettrechner kannst du anschließend berechnen, wie sich der Fettgehalt durch die Zugabe von tierischem Fett verändert.

3. Die gesamte Wochenmenge an Innereien wird auf einmal gefüttert

Eine große Portion Innereien ist einer der häufigsten Gründe für sehr weichen Kot oder Durchfall nach einer BARF-Mahlzeit.

Wie du Innereien beim BARF sinnvoll auswählst und Leber, Niere, Milz und andere Organe auf mehrere Portionen verteilst, erkläre ich dort ausführlicher.

4. Die Calciumversorgung wird nur grob geschätzt

Calcium ist beim BARF kein Nebenthema. Der RFK-Anteil muss zu den verwendeten Knochen und zur restlichen Zusammensetzung der Ration passen.

Welche Menge sinnvoll ist, findest du beim Calciumbedarf des Hundes beim BARF. Für die gemeinsame Einordnung von Calcium und Phosphor findest du zusätzlich einen ausführlichen Beitrag zum Calcium-Phosphor-Verhältnis beim Hund.

Kann oder soll dein Hund keine Knochen bekommen, kannst du die Calciumversorgung auf andere Weise gestalten. Wie Eierschalenpulver beim Hund dafür korrekt berechnet und eingesetzt wird, erkläre ich ebenfalls ausführlich.

5. Seealgenmehl und Jod werden nach Gefühl dosiert

Seealgenmehl wird beim BARF vor allem als Jodquelle eingesetzt. Der Jodgehalt kann sich jedoch je nach Produkt deutlich unterscheiden. Eine pauschale Dosierung nach Messerspitzen oder Teelöffeln ist deshalb nicht zuverlässig.

Beim Thema Jod und Seealgenmehl beim Hund ist deshalb vor allem die Deklaration des tatsächlichen Jodgehalts entscheidend. Mit dem Seealgenmehl-Rechner kannst du die benötigte Menge anhand des tatsächlichen Jodgehalts des verwendeten Produkts berechnen.

Du möchtest deine BARF-Aufteilung sicher und alltagstauglich umsetzen?

Ich prüfe deine aktuelle Ration nach dem Beutetierprinzip und schaue, ob die Aufteilung, die verwendeten Bestandteile und ihre Verteilung zu deinem Hund passen. Anschließend erhältst du eine klare Empfehlung, welche Bestandteile beibehalten oder angepasst werden sollten.

Fazit: Das Beutetierprinzip ist eine Orientierung

Das Beutetierprinzip bietet eine sinnvolle Grundstruktur für die Zusammenstellung einer BARF-Ration. Es sorgt dafür, dass nicht nur Muskelfleisch gefüttert wird, sondern auch Innereien, Magenanteile, geeignete Calciumquellen und pflanzliche Bestandteile berücksichtigt werden.

Die Prozentwerte ersetzen jedoch keine individuelle Beurteilung der Futtermengen, der Energieversorgung und der verwendeten Komponenten. Besonders bei den RFK ist nicht nur der prozentuale Anteil entscheidend, sondern auch die Art des Knochens und dessen tatsächlicher Knochenanteil.

Richtwerte sind deshalb ein guter Ausgangspunkt. Anschließend wird die Ration dort angepasst, wo es für den jeweiligen Hund, seine Lebensphase und seine Verträglichkeit notwendig ist.

FAQ zur BARF-Aufteilung nach dem Beutetierprinzip

Gilt die Aufteilung 80/20 für jeden Hund?

Für gesunde erwachsene Hunde ist 80/20 nach dem Beutetierprinzip meist eine gute Grundstruktur. Auch Welpen können prozentual nach diesem Prinzip gefüttert werden. Die Gesamtfuttermenge und die Zusammensetzung müssen während des Wachstums jedoch regelmäßig angepasst werden. Bei kranken Hunden oder besonderen Anforderungen kann ebenfalls eine individuelle Veränderung der Ration notwendig sein.

Muss ich 80/20 bei jeder Mahlzeit exakt einhalten?

Nein. Entscheidend ist die ausgewogene Verteilung über mehrere Tage. Du kannst die Bestandteile alltagstauglich auf verschiedene Mahlzeiten verteilen. Innereien müssen beispielsweise nicht täglich gefüttert werden, sollten aber möglichst nicht als große Wochenportion in nur einer Mahlzeit landen.

Was zählt zu den 80 % tierischen Bestandteilen?

Zum tierischen Anteil gehören Muskelfleisch, Pansen oder Blättermagen, Innereien und rohe fleischige Knochen. Die häufig verwendete Unterteilung 50/20/15/15 bezieht sich auf diesen tierischen Anteil und nicht auf die gesamte Futtermenge.

Warum ist der Gemüseanteil höher als der Obstanteil?

Gemüse lässt sich in der Regel vielseitiger einsetzen und enthält weniger Zucker als viele Obstsorten. Deshalb wird der pflanzliche Anteil häufig in 75 % Gemüse und 25 % Obst unterteilt.

Kann ich Obst vollständig weglassen?

Ja. Wenn dein Hund Obst nicht gut verträgt oder du kein Obst füttern möchtest, kann der pflanzliche Anteil auch überwiegend oder vollständig aus geeigneten Gemüsesorten bestehen.

Was kann ich tun, wenn mein Hund Pansen oder Blättermagen nicht verträgt?

Pansen und Blättermagen sind für manche Hunde schwerer verdaulich. Du kannst den Anteil zunächst reduzieren, kleinere Portionen füttern oder diese Bestandteile vollständig durch Muskelfleisch ersetzen.

Soll ich Innereien weglassen, wenn mein Hund davon weichen Kot bekommt?

Meist ist das nicht notwendig. Innereien liefern wichtige Nährstoffe, sollten bei empfindlichen Hunden aber in kleinen Mengen begonnen und auf mehrere Mahlzeiten verteilt werden. Leber, Niere und Milz gehören zu den zentralen nährstoffreichen Innereien. Lunge kann ergänzend gefüttert werden, ersetzt diese Organe jedoch nicht.

Was sind RFK und muss ihr Anteil immer genau 15 % betragen?

RFK sind rohe fleischige Knochen, an denen noch Fleisch, Bindegewebe und teilweise Knorpel vorhanden sind. Der passende Anteil hängt davon ab, welche RFK verwendet werden und wie hoch ihr tatsächlicher Knochenanteil ist. Deshalb können je nach Auswahl beispielsweise 15 oder 20 % innerhalb des tierischen Anteils eingeplant werden.

Sabine Nowak

Sabine Nowak

Tierheilpraktikerin für Hunde

Hi, ich bin Sabine. Ich helfe dir, deinen Hund besser zu verstehen, wenn Gesundheit, Fütterung oder Alltag nicht mehr rundlaufen.

Ob Verdauung, Haut, Ernährung, Verhalten, Betreuung oder wiederkehrende Unsicherheit: Ich schaue nicht nur auf einzelne Probleme, sondern darauf, was bei deinem Hund zusammenhängt.

So bekommst du mehr Klarheit, bessere Entscheidungen und einen alltagstauglichen Weg, der wirklich zu deinem Hund passt.

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