Die Leberwerte beim Hund umfassen verschiedene Laborparameter, die ganz unterschiedliche Fragen beantworten. ALT, AST und GLDH können Hinweise auf eine Schädigung von Leberzellen geben. Alkalische Phosphatase und GGT reagieren besonders im Zusammenhang mit dem Gallesystem. Bilirubin und Gallensäuren liefern weitere Informationen, während Albumin, Harnstoff, Glukose und Cholesterin unter anderem Hinweise auf die Stoffwechsel- und Syntheseleistung der Leber geben können.
Deshalb bedeutet ein einzelner erhöhter Leberwert nicht automatisch, dass die Leber versagt oder eine bestimmte Lebererkrankung vorliegt. Entscheidend ist das Muster: Welche Werte sind verändert, wie stark sind sie erhöht, bestehen weitere Auffälligkeiten und wie entwickelt sich der Befund im Verlauf? Erst gemeinsam mit den Beschwerden des Hundes und weiteren Untersuchungen lassen sich auffällige Blutwerte sinnvoll einordnen.
Leberwerte beim Hund: Tabelle der wichtigsten Werte
Auf einem Laborbefund werden verschiedene Werte unter dem Begriff Leberwerte zusammengefasst. Tatsächlich messen sie aber nicht alle dasselbe. Einige zeigen vor allem eine Zellschädigung, andere reagieren bei einer Störung des Galleflusses oder geben Hinweise auf bestimmte Funktionen der Leber.
| Laborwert | Abkürzung | Wofür ist er besonders relevant? |
|---|---|---|
| Alanin-Aminotransferase | ALT, GPT | Leberzellschädigung, beim Hund vergleichsweise leberspezifisch |
| Aspartat-Aminotransferase | AST, GOT | Leber und Muskulatur, deshalb nicht leberspezifisch |
| Glutamatdehydrogenase | GLDH | Leberzellschädigung, mitochondriales Enzym |
| Alkalische Phosphatase | AP, ALP | Cholestase, Medikamente, hormonelle Einflüsse und Knochenstoffwechsel |
| Gamma-Glutamyltransferase | GGT, γ-GT | Gallesystem und Cholestase |
| Bilirubin | BIL, TBIL | Abbau von Häm und Ausscheidung über die Galle |
| Gallensäuren | GS, BA | Leberfunktion, Leberdurchblutung und enterohepatischer Kreislauf |
| Albumin | ALB | Unter anderem Syntheseleistung der Leber |
| Harnstoff | UREA, BUN | Unter anderem Umwandlung von Stickstoff in der Leber |
| Glukose | GLU | Kohlenhydratstoffwechsel, nicht leberspezifisch |
| Cholesterin | CHOL | Fettstoffwechsel und bei bestimmten Befunden Gallefluss |
Die Tabelle zeigt bereits, warum die Bezeichnung „Leberwerte“ etwas irreführend sein kann. Ein erhöhtes Enzym beantwortet eine andere Frage als ein verändertes Albumin oder ein auffälliger Gallensäurenwert.
Leberwerte beim Hund: Beispiel für Referenzwerte
Referenzbereiche unterscheiden sich zwischen Laboren, Analysegeräten und Messmethoden. Deshalb sollte für den konkreten Befund immer der Referenzbereich verwendet werden, den das untersuchende Labor direkt angegeben hat. Die folgende Tabelle dient lediglich zur Orientierung und zeigt beispielhafte Referenzbereiche.
| Wert | Beispielhafter Referenzbereich |
|---|---|
| ALT / GPT | < 88 U/l |
| AST / GOT | < 51 U/l |
| GLDH | < 8 U/l |
| AP / ALP | < 147 U/l |
| GGT | < 10 U/l |
| Bilirubin | < 3,4 µmol/l |
| Gallensäuren | < 20 µmol/l, postprandial < 40 µmol/l |
| Albumin | 25 bis 44 g/l |
| Harnstoff | 3,3 bis 8,3 mmol/l |
| Glukose | 3,05 bis 6,1 mmol/l |
| Cholesterin | 3,1 bis 10,1 mmol/l |
Diese Zahlen sind keine allgemeingültigen Normalwerte für jeden Laborbefund. Schon unterschiedliche Analysegeräte können andere Referenzbereiche verwenden. Auch Alter, Medikamente, Fütterungszustand und weitere Faktoren können für die Interpretation relevant sein.
Leberenzyme sind nicht dasselbe wie Leberfunktion
Das ist einer der wichtigsten Punkte bei der Interpretation der Leberwerte. ALT, AST, GLDH, AP und GGT sind Enzyme. Steigt ihre Aktivität im Blut, kann das zeigen, dass Zellen Enzyme freisetzen oder bestimmte Enzyme verstärkt gebildet werden.
Damit lässt sich jedoch nicht direkt ablesen, wie viel funktionsfähiges Lebergewebe vorhanden ist. Ein stark erhöhtes ALT bedeutet beispielsweise nicht automatisch, dass die Leber ihre Stoffwechselaufgaben nicht mehr erfüllen kann. Umgekehrt können bei einer schweren chronischen Lebererkrankung einzelne Enzyme nur gering erhöht oder sogar unauffällig sein, wenn gerade wenig aktive Zellschädigung stattfindet.
Für die Frage nach der tatsächlichen Leberfunktion sind deshalb unter anderem Gallensäuren, Ammoniak sowie verschiedene Stoffwechselprodukte interessant. Auch der klinische Zustand des Hundes gehört immer dazu.
Welche Leberwerte zeigen eine Leberzellschädigung?
ALT, AST und GLDH werden häufig als hepatozelluläre Enzyme zusammengefasst. Sie können bei Veränderungen und Schädigungen von Leberzellen im Blut ansteigen.
Die drei Werte unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Organspezifität. Besonders AST kann auch aus der Muskulatur stammen. Deshalb ist nicht jeder erhöhte vermeintliche Leberwert tatsächlich durch die Leber verursacht.
ALT und GPT beim Hund
ALT steht für Alanin-Aminotransferase. Die ältere Bezeichnung GPT meint denselben Laborparameter. Beim Hund ist ALT vergleichsweise leberspezifisch und gehört deshalb zu den wichtigen Enzymen zur Erkennung einer Leberzellschädigung.
Ist die ALT beziehungsweise GPT erhöht, kann dies darauf hinweisen, dass Leberzellen Enzym freigesetzt haben. Die Höhe des Wertes sagt jedoch nicht unmittelbar, wodurch die Schädigung entstanden ist und auch nicht, wie gut die Leber insgesamt noch funktioniert.
ALT kann bei primären Lebererkrankungen ansteigen, aber ebenso bei sekundären Veränderungen, Medikamenteneinflüssen oder anderen Erkrankungen, die die Leber mitbetreffen.
AST und GOT beim Hund
AST steht für Aspartat-Aminotransferase. GOT ist die ältere Bezeichnung für dasselbe Enzym. Im Gegensatz zu ALT ist AST nicht leberspezifisch. Größere Mengen befinden sich auch in der Skelettmuskulatur und in roten Blutkörperchen.
Eine erhöhte AST beziehungsweise GOT kann deshalb sowohl zu einer Leberzellschädigung als auch zu einer Muskelschädigung passen. Bei einem auffälligen AST Wert ist unter anderem die Creatinkinase, kurz CK, hilfreich. Ist CK gleichzeitig deutlich erhöht, kann die Muskulatur als Quelle der AST Erhöhung wahrscheinlicher werden.
Auch eine hämolytische Blutprobe kann AST beeinflussen. Deshalb sollte die Probenqualität bei unerwarteten Veränderungen mitberücksichtigt werden.
GLDH beim Hund
Die Glutamatdehydrogenase befindet sich überwiegend in den Mitochondrien der Leberzellen und kann zusätzliche Hinweise auf eine hepatozelluläre Schädigung liefern.
Eine erhöhte GLDH wird besonders zusammen mit ALT, AST und den übrigen Leberparametern interpretiert. Auch GLDH beantwortet jedoch nicht die Frage nach der Ursache. Ein erhöhter Wert diagnostiziert keine bestimmte Lebererkrankung.
Welche Werte sprechen eher für Cholestase?
Cholestase bedeutet, dass der Gallefluss vermindert oder behindert ist. Dabei können insbesondere die alkalische Phosphatase und GGT ansteigen. Auch Bilirubin kann sich erhöhen, wenn die normale Ausscheidung über das Gallesystem beeinträchtigt ist.
Die Unterscheidung zwischen einem vorwiegend hepatozellulären und einem eher cholestatischen Muster kann Hinweise darauf geben, in welche Richtung weiter untersucht werden sollte.
Alkalische Phosphatase beim Hund
Die alkalische Phosphatase wird als AP oder ALP abgekürzt. Beim Hund ist sie ein empfindlicher, aber wenig spezifischer Parameter. Sie kann bei einer Cholestase ansteigen, aber auch durch andere Mechanismen deutlich erhöht werden.
Besonders wichtig sind beim Hund Einflüsse durch Glukokortikoide. Sowohl körpereigenes Cortisol als auch eine Behandlung mit Kortison können die AP beeinflussen. Auch bestimmte Medikamente, Wachstum und Veränderungen des Knochenstoffwechsels kommen als Ursache infrage.
Deshalb bedeutet eine erhöhte alkalische Phosphatase nicht automatisch eine primäre Lebererkrankung. Gerade bei diesem Wert sind Alter, Medikamente und das Muster der übrigen Laborparameter besonders wichtig.
AP beim Welpen und jungen Hund
Junge Hunde können physiologisch höhere AP Werte haben als ausgewachsene Tiere. Ursache ist unter anderem die hohe Aktivität des Knochenstoffwechsels während des Wachstums.
Ein AP Wert, der bei einem erwachsenen Hund auffällig wäre, kann bei einem wachsenden Hund deshalb eine andere Bedeutung haben. Altersgerechte Referenzbereiche müssen berücksichtigt werden.
GGT beim Hund
GGT steht für Gamma-Glutamyltransferase und gehört ebenfalls zu den cholestatischen Enzymen. Der Wert wird besonders im Zusammenhang mit dem Gallengangssystem und einer verminderten Gallenausscheidung betrachtet.
Für die Interpretation ist besonders interessant, wie sich GGT gemeinsam mit AP, Bilirubin und den hepatozellulären Enzymen verhält. Eine isolierte geringgradige GGT Erhöhung reicht deshalb ebenso wenig für eine Diagnose wie eine isoliert erhöhte AP.
Bilirubin beim Hund
Bilirubin entsteht beim Abbau von Häm, vor allem aus alternden roten Blutkörperchen. Es wird anschließend von der Leber aufgenommen, verarbeitet und über die Galle ausgeschieden. Dadurch verbindet Bilirubin die rote Blutreihe, die Leber und das Gallesystem miteinander.
Ist das Bilirubin erhöht, kann die Ursache deshalb an unterschiedlichen Stellen liegen. Vereinfacht lassen sich drei Mechanismen unterscheiden:
- Prähepatisch: Es entsteht vermehrt Bilirubin, beispielsweise durch einen verstärkten Abbau roter Blutkörperchen.
- Hepatisch: Aufnahme, Verarbeitung oder Ausscheidung durch die Leber ist beeinträchtigt.
- Posthepatisch: Der Abfluss der Galle hinter der Leber ist gestört.
Diese Einteilung hilft beim Verständnis, ist aber nicht immer trennscharf. Bei einem Hund können mehrere Mechanismen gleichzeitig auftreten.
Gelbsucht und Bilirubin
Steigt Bilirubin deutlich an, können Haut, Schleimhäute oder die weißen Bereiche der Augen gelblich erscheinen. Dieser Zustand wird als Ikterus bezeichnet.
Eine Gelbsucht ist allerdings keine Diagnose für eine bestimmte Lebererkrankung. Auch eine ausgeprägte Hämolyse oder eine Behinderung des Galleabflusses kann zu einem erhöhten Bilirubin und sichtbarer Gelbfärbung führen.
Gallensäuren beim Hund
Gallensäuren werden in der Leber aus Cholesterin gebildet, über die Galle in den Darm abgegeben und anschließend zu einem großen Teil wieder aufgenommen. Über die Pfortader gelangen sie zurück zur Leber und werden dort erneut aus dem Blut entfernt.
Dieser enterohepatische Kreislauf macht Gallensäuren für die Beurteilung der Leberfunktion und Leberdurchblutung interessant. Erhöhte Werte können unter anderem bei einer verminderten Aufnahme durch die Leber, portosystemischen Gefäßanomalien oder einer Cholestase auftreten.
Gallensäuren sind damit keine klassischen Leberenzyme. Sie beantworten eine andere diagnostische Frage.
Was ist ein Gallensäuren-Stimulationstest?
Bei einem Gallensäuren-Stimulationstest werden üblicherweise zwei Blutproben miteinander verglichen. Eine Probe wird nüchtern genommen, anschließend erhält der Hund eine Mahlzeit. Eine weitere Probe wird nach der Fütterung entnommen.
Die Mahlzeit regt die Gallenblase zur Entleerung an. Dadurch gelangen Gallensäuren in den Darm, werden wieder aufgenommen und müssen anschließend von der Leber aus dem Pfortaderblut entfernt werden. So lassen sich bestimmte funktionelle oder vaskuläre Veränderungen besser erfassen.
Bei diesem Test ist eine korrekte Vorbereitung besonders wichtig, da sowohl die Nüchternprobe als auch die standardisierte Fütterung zur Untersuchung gehören.
Welche Werte zeigen eher die Leberfunktion?
Die Leber übernimmt zahlreiche Stoffwechsel- und Syntheseaufgaben. Sie bildet unter anderem Albumin, verarbeitet Stickstoff zu Harnstoff, ist am Glukose- und Fettstoffwechsel beteiligt und produziert Gallensäuren.
Bei einer deutlich verminderten funktionellen Lebermasse können deshalb weitere Laborwerte verändert sein:
- Albumin kann erniedrigt sein
- Harnstoff kann erniedrigt sein
- Glukose kann erniedrigt sein
- Cholesterin kann je nach Mechanismus verändert sein
- Gallensäuren können erhöht sein
- Ammoniak kann erhöht sein
Auch diese Werte sind nicht leberspezifisch. Ein niedriges Albumin kann beispielsweise durch Proteinverlust über Darm oder Niere entstehen. Ein niedriger Harnstoffwert kann ebenfalls verschiedene Ursachen haben. Erst die Kombination mehrerer Befunde macht eine Einschränkung der Leberfunktion wahrscheinlicher.
Leberwerte beim Hund erhöht: Was bedeutet das?
Erhöhte Leberwerte beim Hund bedeuten zunächst, dass mindestens ein Laborparameter oberhalb seines Referenzbereichs liegt. Die Bezeichnung allein sagt aber noch nicht, welcher Mechanismus dahintersteckt.
Bei der ersten Einordnung helfen deshalb drei Fragen:
- Sind hauptsächlich ALT, AST oder GLDH erhöht und spricht das Muster eher für eine Leberzellschädigung?
- Sind AP und GGT besonders stark verändert und gibt es Hinweise auf eine Cholestase?
- Sind zusätzlich Bilirubin, Gallensäuren oder Stoffwechselprodukte verändert?
Außerdem ist wichtig, wie stark die Werte vom Referenzbereich abweichen und ob die Veränderung einmalig oder wiederholt nachweisbar ist.
Welche Ursachen können erhöhte Leberwerte beim Hund haben?
Erhöhte Leberwerte können bei zahlreichen unterschiedlichen Situationen auftreten. Es ist deshalb wenig hilfreich, aus einem einzelnen Laborpfeil direkt auf eine bestimmte Erkrankung zu schließen.
Mögliche Gruppen von Ursachen sind unter anderem:
- primäre Erkrankungen der Leber
- Erkrankungen von Gallenblase oder Gallengängen
- Medikamente
- hormonelle Erkrankungen
- Entzündungen und Infektionen
- Durchblutungsstörungen und Sauerstoffmangel
- toxische Einflüsse
- Tumorerkrankungen
- sekundäre Leberreaktionen bei Erkrankungen anderer Organe
- Muskelverletzungen bei erhöhtem AST
- Wachstum bei erhöhter AP
Das erklärt auch, warum eine erhöhte ALT oder AP nicht automatisch eine bestimmte Leberdiagnose bedeutet. Die Laborwerte zeigen zunächst, welcher Prozess genauer untersucht werden sollte.
Können Medikamente die Leberwerte beim Hund erhöhen?
Ja. Verschiedene Medikamente können einzelne Leberenzyme beeinflussen. Beim Hund sind unter anderem Glukokortikoide und bestimmte Antikonvulsiva für Veränderungen der Leberenzyme bekannt.
Deshalb sollte bei einem auffälligen Befund berücksichtigt werden, welche Medikamente, Dauermedikamente und gegebenenfalls Nahrungsergänzungen der Hund erhält. Medikamente sollten wegen eines veränderten Laborwertes nicht eigenständig abgesetzt werden.
Können Leberwerte erhöht sein, obwohl der Hund keine Lebererkrankung hat?
Ja. Nicht jede Erhöhung entsteht durch eine primäre Lebererkrankung. Ein gutes Beispiel ist AST, das auch bei Muskelschädigungen ansteigen kann. Die AP kann bei jungen Hunden durch Knochenwachstum oder beim erwachsenen Hund durch Glukokortikoide beeinflusst werden.
Auch Erkrankungen anderer Organe können sekundär Veränderungen der Leber verursachen. Die Leber reagiert auf viele systemische Prozesse, sodass erhöhte Enzyme Begleitbefunde einer anderen Erkrankung sein können.
Können Leberwerte normal sein, obwohl die Leber krank ist?
Auch das ist möglich. Leberenzyme zeigen vor allem aktive Zellschädigung beziehungsweise bestimmte Reaktionen des Gallesystems. Findet gerade wenig aktive Zellschädigung statt, können Enzymwerte trotz einer bestehenden Erkrankung nur gering verändert sein.
Deshalb lässt sich eine Lebererkrankung nicht allein dadurch ausschließen, dass ALT, AP und andere Enzyme innerhalb ihrer Referenzbereiche liegen. Bei entsprechendem klinischem Verdacht können Gallensäuren, Ultraschall und weitere Untersuchungen zusätzliche Informationen liefern.
Wie wichtig ist die Höhe der Leberwerte?
Die Stärke einer Erhöhung liefert zusätzliche Informationen, darf aber nicht eins zu eins in die Schwere einer Erkrankung übersetzt werden. Ein sehr hoher ALT Wert zeigt eine starke Enzymfreisetzung aus Leberzellen, bedeutet aber nicht automatisch, dass die Leberfunktion im gleichen Verhältnis eingeschränkt ist.
Ebenso kann eine chronische Erkrankung mit vergleichsweise moderaten Enzymveränderungen verbunden sein. Für die Beurteilung sind deshalb Muster, Verlauf und zusätzliche Funktionsparameter häufig wichtiger als die einzelne Zahl.
Warum ist der Verlauf der Leberwerte wichtig?
Eine einzelne Blutuntersuchung ist eine Momentaufnahme. Besonders bei unerwarteten oder geringgradigen Veränderungen kann eine Kontrolluntersuchung zeigen, ob ein Wert weiter steigt, stabil bleibt oder sich wieder normalisiert.
Der Verlauf ist auch deshalb hilfreich, weil verschiedene Leberenzyme unterschiedlich auf Zellschäden und Cholestase reagieren. Ein fallender Wert kann zu einer nachlassenden Enzymfreisetzung passen. Er beweist für sich allein jedoch nicht, dass die zugrunde liegende Ursache vollständig behoben ist.
Muss ein Hund für die Leberwerte nüchtern sein?
Für ein Leberprofil im Rahmen der klinischen Chemie ist eine vorherige Futterpause häufig sinnvoll. Eine Mahlzeit kann unter anderem zu einer lipämischen Blutprobe führen und dadurch bestimmte Messverfahren beeinflussen. Wasser darf in der Regel weiterhin angeboten werden.
Bei speziellen Untersuchungen wie einem Gallensäuren-Stimulationstest gelten andere Anforderungen, weil die Fütterung selbst Bestandteil des Tests ist. Was du bei Nüchternheit, Medikamenten und möglichen Störfaktoren beachten solltest, findest du ausführlich im Artikel zur Blutabnahme.
Warum kann eine lipämische Blutprobe Leberwerte verfälschen?
Nach einer Mahlzeit kann das Serum beziehungsweise Plasma durch einen erhöhten Fettgehalt deutlich trüb erscheinen. Eine solche Lipämie kann bestimmte Laborverfahren stören und dadurch einzelne Ergebnisse beeinflussen.
Bei einem unerwarteten Befund sollte deshalb auch die Probenqualität berücksichtigt werden. Ob und wie stark ein bestimmter Wert beeinflusst werden kann, hängt unter anderem vom verwendeten Analyseverfahren ab.
Welche Untersuchungen sind bei erhöhten Leberwerten sinnvoll?
Welche weitere Diagnostik notwendig ist, hängt davon ab, welche Werte verändert sind und welche Beschwerden der Hund zeigt. Ein allgemeingültiges Untersuchungsprogramm gibt es deshalb nicht.
Je nach Befund können beispielsweise sinnvoll sein:
- Kontrolle der Leberwerte im Verlauf
- großes Blutbild
- Gallensäuren beziehungsweise Gallensäuren-Stimulationstest
- Bilirubin
- Albumin, Harnstoff, Glukose und Cholesterin
- Gerinnungsdiagnostik
- Urinuntersuchung
- Ultraschall von Leber und Gallenblase
- Untersuchungen auf bestimmte Infektionskrankheiten
- weitere hormonelle oder spezifische Labordiagnostik
- in ausgewählten Fällen zytologische oder histologische Untersuchungen
Welche dieser Untersuchungen tatsächlich benötigt werden, richtet sich nach dem Muster der Laborwerte und dem individuellen Hund.
Was kann ein Ultraschall der Leber zeigen?
Ein Ultraschall beantwortet andere Fragen als die Blutuntersuchung. Dabei können unter anderem Größe und Struktur der Leber sowie Gallenblase und Gallengänge beurteilt werden. Auch fokale Veränderungen, Flüssigkeit oder bestimmte Gefäßauffälligkeiten können sichtbar werden.
Ultraschall und Laborwerte ergänzen sich deshalb. Ein normaler Ultraschall schließt nicht jede funktionelle oder mikroskopische Lebererkrankung aus. Genauso wenig lässt sich aus erhöhten Enzymen allein ablesen, wie die Leber strukturell aussieht.
Leberwerte und Fütterung beim Hund
Ein auffälliger Leberwert beweist nicht automatisch, dass der Hund falsch gefüttert wird. Ebenso lässt sich aus normalen ALT, AP oder GLDH Werten nicht ableiten, dass eine Ration vollständig bedarfsdeckend ist.
Einzelne Stoffwechselwerte können durch Fütterung und Nüchternheitsstatus beeinflusst werden. Die klassischen Leberenzyme dienen aber nicht als Kontrolle dafür, ob beispielsweise Protein, Fett, Vitamine oder Mineralstoffe in optimaler Menge gefüttert werden.
Wenn eine Lebererkrankung diagnostiziert wurde, kann die Ernährung je nach Ursache und Funktionszustand trotzdem eine wichtige Rolle spielen. Welche Anpassungen sinnvoll sind, sollte sich nach der konkreten Erkrankung, dem Ernährungszustand und den übrigen Befunden richten und nicht allein nach einem einzelnen erhöhten Enzym.
Wann sind erhöhte Leberwerte besonders relevant?
Eine geringgradige einmalige Erhöhung wird anders bewertet als ein deutlich veränderter Wert, der über mehrere Kontrollen weiter ansteigt. Besonders relevant wird der Befund, wenn mehrere zusammengehörige Parameter verändert sind oder der Hund gleichzeitig Beschwerden zeigt.
Mögliche Symptome bei hepatobiliären Erkrankungen können unter anderem Appetitverlust, Gewichtsverlust, Erbrechen, Durchfall, vermehrtes Trinken und Urinieren, deutliche Müdigkeit, Bauchbeschwerden, Gelbfärbung der Schleimhäute oder neurologische Auffälligkeiten sein. Diese Beschwerden sind jedoch nicht leberspezifisch und können zahlreiche andere Ursachen haben.
Die Leberwerte deines Hundes sind auffällig?
Laborwerte sind immer nur ein Teil des Gesamtbildes. In meiner Tierheilpraxis betrachte ich vorhandene Befunde zusammen mit Beschwerden, Vorgeschichte, bisherigen Untersuchungen und Medikamenten deines Hundes. Je nach Erkrankung kann auch die Fütterung in die unterstützende Begleitung einbezogen werden.
Leberwerte beim Hund richtig einordnen
Leberwerte sind keine Gruppe austauschbarer Zahlen. ALT, AST und GLDH geben vor allem Hinweise auf Veränderungen von Leberzellen. AP und GGT helfen bei der Beurteilung des Gallesystems. Bilirubin verbindet den Abbau roter Blutkörperchen mit Leber und Gallenausscheidung. Gallensäuren und Stoffwechselprodukte liefern wiederum andere Informationen über Funktion und Durchblutung.
Deshalb ist das Muster wichtiger als ein einzelner Laborwert. Ein erhöhter Wert zeigt, wo genauer hingeschaut werden sollte. Erst gemeinsam mit Verlauf, Beschwerden, Medikamenten, Fütterungszustand und gegebenenfalls Ultraschall oder weiterer Diagnostik lässt sich beurteilen, welche Bedeutung die Veränderung für den einzelnen Hund hat.
FAQ zu Leberwerten beim Hund
Welche Leberwerte gibt es beim Hund?
Zu den häufig bestimmten Leberenzymen gehören ALT beziehungsweise GPT, AST beziehungsweise GOT, GLDH, alkalische Phosphatase und GGT. Weitere relevante Parameter sind Bilirubin, Gallensäuren, Albumin, Harnstoff, Glukose und Cholesterin.
Was bedeutet es, wenn die Leberwerte beim Hund erhöht sind?
Das hängt davon ab, welcher Wert erhöht ist. ALT, AST und GLDH können Hinweise auf Veränderungen von Leberzellen geben, während AP und GGT besonders im Zusammenhang mit Cholestase betrachtet werden. Bilirubin und Gallensäuren beantworten wiederum andere Fragen. Ein erhöhter Wert allein stellt deshalb keine Diagnose dar.
Welcher Leberwert ist beim Hund am wichtigsten?
Es gibt keinen einzelnen Leberwert, der alle Fragen beantwortet. ALT ist beim Hund ein wichtiger Marker für Leberzellschädigung, AP und GGT geben andere Informationen zum Gallesystem und Gallensäuren können zur Beurteilung von Leberfunktion und Leberdurchblutung beitragen. Das Gesamtmuster ist entscheidend.
Bedeutet eine hohe ALT beim Hund Leberversagen?
Nein. ALT zeigt vor allem eine Freisetzung des Enzyms aus Leberzellen. Die Höhe des ALT Wertes misst nicht direkt die Funktionsfähigkeit der Leber. Für die Beurteilung der Funktion werden weitere Laborwerte und Befunde benötigt.
Warum kann die alkalische Phosphatase beim Hund erhöht sein?
Die AP kann unter anderem bei Cholestase ansteigen, wird beim Hund aber auch durch Glukokortikoide, bestimmte Medikamente, Wachstum und Veränderungen des Knochenstoffwechsels beeinflusst. Deshalb ist sie deutlich weniger spezifisch, als häufig angenommen wird.
Was ist der Unterschied zwischen ALT und AST beim Hund?
ALT ist beim Hund vergleichsweise leberspezifisch. AST befindet sich dagegen in größerer Menge auch in der Skelettmuskulatur und in roten Blutkörperchen. Bei einer erhöhten AST kann deshalb beispielsweise die CK helfen einzuschätzen, ob eine Muskelschädigung beteiligt ist.
Was bedeutet eine erhöhte GOT beim Hund?
GOT ist die ältere Bezeichnung für AST. Eine erhöhte GOT beziehungsweise AST kann sowohl bei einer Leberzellschädigung als auch bei einer Muskelschädigung auftreten. Der Wert sollte deshalb gemeinsam mit anderen Leberenzymen, CK und der Probenqualität beurteilt werden.
Können Leberwerte durch Kortison erhöht sein?
Ja. Glukokortikoide können beim Hund verschiedene Leberenzyme beeinflussen, besonders die alkalische Phosphatase. Die Medikamentengeschichte gehört deshalb immer zur Interpretation eines auffälligen Laborbefundes.
Können Leberwerte normal sein, obwohl der Hund eine Lebererkrankung hat?
Ja. Leberenzyme zeigen vor allem aktive Zellschädigung oder Reaktionen des Gallesystems. Eine bestehende Lebererkrankung muss deshalb nicht immer mit deutlich erhöhten Enzymwerten verbunden sein. Bei klinischem Verdacht können weitere Funktionsuntersuchungen und bildgebende Diagnostik notwendig sein.
Warum werden bei Leberproblemen Gallensäuren bestimmt?
Gallensäuren werden nach ihrer Aufnahme aus dem Darm normalerweise sehr effizient von der Leber aus dem Pfortaderblut entfernt. Erhöhte Werte können deshalb Hinweise auf eine verminderte Leberfunktion, bestimmte Gefäßanomalien oder Cholestase geben.
Muss mein Hund für die Leberwerte nüchtern sein?
Für ein Leberprofil im Rahmen der klinischen Chemie ist eine vorherige Futterpause häufig sinnvoll. Bei speziellen Untersuchungen wie einem Gallensäuren-Stimulationstest gelten eigene Voraussetzungen. Wasser darf in der Regel angeboten werden. Ausführlicher erkläre ich die Vorbereitung im Artikel zur Blutabnahme.





